Idendidäd

Wurri herkumm, wirri haaß, wemi
Gleichsiech, wemi noochgrood

Wosmer kaaßn hemm, wosmi
Baggd, wosmi miedgnumma hadd

Wossi gsehng hobb, wurri
Gweesn bin, wossi glernd hobb

Weni droffn hobb, wossi
Derlebbd hobb, wossi waaß

Wossi kann, wossi kenn, wossi
Du, wossi sooch, wossermer denk

Wos dief drinhoggd, wosmi
Ausmachd, wosmer noochgehd

Wossermer aufkalsd, wossermer
Kolld hobb, wosmer oodoo hemm

Mid wossi wos oofang, wosmer
Wos oogehd, aus wossermer wos mach

Fier wossi groodsteh
Fier wossermi grummleech

Obber wossi woor, binni nämmer, wossi
Bin, bleibi nedd, wossi sei meecherd

Binni nunni – Ach
Wos waaßn iech?

 

Aus: Helmut Haberkamm, Frankn lichd nedd am Meer. 77 Gedichte in fränkischer Mundart. Mit einem Nachwort von Fitzgerald Kusz. ars vivendi verlag Cadolzburg, 1992 ff.

 

Wiechergaul

Wiechergaul, Wiechergaul, droom im aldn Boodn
Zammgstoggd un zerfressn
Zammgraiberd un verstabbd.
Kanner, wu mehr draufhoggd
Kanner, wunna mehr radd
Wiechergaul, Wiechergaul, droom im eebern Boodn.

Wie hammer mid na gschaugld!
Wie hadds uns doo aufbaamd!
Wie hadds uns doo na ieberschloong!
Is Fell hammern oogwetzd.
Di Hoor hammern rausgrupfd.
Wie hamm mir den Gaul zerrupfd un zerzoong!

A Buu is amoll drauf griedn
Der hadd na gschriea un is na gfalln
Der lichd heid nu innam Agger dreem in Flandern.
A annerer Buu is dernooch na drauf griedn
Der hadd aa gschriea un is na gfalln
Der lichd heid nu in aana Gruum an der Wolga.

Mir woorn bloß Babbkammeroodn, unner Gwehrer woorn gloodn
Mid Stebbserle un Schreggschuß un mid Kiecherle di Bisdooln
Wemmer doobd hamm dodd widdi Kojoodn
Wemmer rumgriedn sinn widdi Wandooln
Wemmer all Schieß lang dodd rumkuggld sinn am Boodn
In der Stumm, im Wiechergaul sein warma Schaddn.

Wiechergaul, Wiechergaul, droom im eebern Boodn.

 

Aus: Helmut Haberkamm, Lichd ab vom Schuß. Gedichte und Fotografien aus Franken. In Zusammenarbeit mit Andreas Riedel. ars vivendi verlag Cadolzburg, 1999.

 

 

Zwaarala Frankn

Frankn kenna sei wie ihr Bier:
hefdi un herb un defdi un derb
spundi un gäri, voller Schaam un Geesd
voller Drieb un saustarg odder glotzerd, drieb un daab.

Wennsder aana eischenggn denna
na spiersders scho, wiesd schwangsd
wiesder daamisch werd un blimmerand...
Sowos hadd fei scho ganz annera gschmaßd!

Frankn kenna herzhafd sei un druggn wie ihr Wein
boodnständi, richdia zechschwera Runderziecher
odder goldi un gloosgloor
grood oo un gleichzeidi hindn rum fei aa ...

Frankn gidds auf zwaarala Oord:
offen un als Flaschn.

 

 

Aus: Helmut Haberkamm, Des sichd eich gleich. Gedichte und Fotografien aus Franken. In Zusammenarbeit mit Andreas Riedel. ars vivendi verlag Cadolzburg, 2001.

 

 

Das Lied der Franken (viktorisch verscheffelt)

Dool auf, di Suffd freggd britschergrein
Weer Bambl litzd, schußd Grosdn;
Mibbm brollin, habblin Hobberdreim
Bäßd Blunz zum Grimmlwoschdn.
Fesd seichdmis Gwaaf un Spoddnsglaasd
Vo dooglerd Schuggerdootschn
Pfliech dilln zergwaadschda Glumbergfraasch
Schind Flann im Gstank zer Pflootschn.

Zergnalld bleeds Gmied, di Gsachd schlehd gruhd
Gleerissi Boorn un Graadschn;
Blieh gremmern nauf, derlahna Druud
Minn Schlaafn Daum derhaadschn.
Heid geggds an Dauch im Grebbsdn zamm
Di Blunzn schmadd ihrn Weefers;
Zerschwindsda Glutz fern Grindlstamm
Dermeerd in zergranschdn Reefers.

Glumb schwelgs Scheidla Grafflschleim
Kuhschiech verbemmsd Gediegl
Zum Steeberschlambl ummern Gsaim
In heigeingschießin Niegl;
Im zammgwerchdn grisdgrumma Braadgeldglau
Drumm Bloona, Gerch un Schiegl
Di beidld, gloofvergollichd Schau
Miech gwollerds, miech pfuggsln di Wiegl.

 

Aus: Helmut Haberkamm, Leem aufm Babbier. 77 Gedichte in fränkischer Mundart.
ars vivendi verlag Cadolzburg, 1995.

Anmerkung

Als Vorlage diente Helmut Haberkamm das berühmt-berüchtigte Frankenlied von Viktor von Scheffel, das ein kitschig-sentimentales Landschaftsbild entwirft, das, - sieht man einmal von den Ortsnamen ab -, ebenso auch fast jede andere Region beschreiben könnte. Kann man mit dem Hochdeutschen überhaupt eine Gegend wie Franken angemessen einfangen? Zum Vergleich hier der Originaltext aus dem 19. Jahrhundert, den Haberkamm "viktorisch verscheffelte".

Das Lied der Franken

Wohlauf, die Luft geht frisch und rein,
Wer lange sitzt muß rosten.
Den allerschönsten Sonnenschein
Läßt uns der Himmel kosten.
Jetzt reicht mir Stab und Ordenskleid
Der fahrenden Scholaren,
Ich will zu guter Sommerszeit
Ins Land der Franken fahren!

Der Wald steht grün, die Jagd geht gut,
Schwer ist das Korn geraten;
Sie können auf des Maines Flut
Die Schiffe kaum verladen.
Bald hebt sich auch das Herbsten an,
Die Kelter harrt des Weines;
Der Winzer Schutzherr Kilian
Beschert uns etwas Feines.

Zum heilgen Veit vom Staffelstein
Komm ich emporgestiegen
Und seh die Lande um den Main
Zu meinen Füßen liegen:
Von Bamberg bis zum Grabfeldgau
Umrahmen Berg und Hügel
Die breite, stromdurchglänzte Au.
Ich wollt, mir wüchsen Flügel!


Text: Viktor von Scheffel (1826-1886)
Melodie: Valentin Eduard Becker (1814-1890)

    www.helmuthaberkamm.de