Chronik 1998

 

Dienstag, 13. Januar 1998, 19.00 Uhr

Fürstenhof, Grand Hotel, Bahnhofstraße 1-3, 90402 Nürnberg

Pegnesen lesen Heiteres

Es waren manche Texte zum Verlesen vorbereitet worden, aber die beliebten Klassiker "Dannhaiser" und "Undank" mußten leider entfallen, da weder Frau Kirschner noch Frau Köstler in der Lage gewesen waren zu kommen. Herr Heiko Kistner rettete die Situation mit einigen sehr witzigen Texten, die er aus seinem reichhaltigen Fundus von Mundartbüchlein ausgewählt hatte.

 

Dienstag, 10. Februar 1998, 19.00 Uhr

Palisanderzimmer, Grand Hotel, Bahnhofstraße 1-3, 90402 Nürnberg

Hauptversammlung

Alles ging seinen gewohnten Gang, doch bei der Neuwahl des Vorstands mußten die Posten des Schriftführers und des Irrhainpflegers leider offenbleiben. Der Vorstand reservierte sich das Recht, während der Zeit bis zur nächsten Wahl kommissarische Vertreter je nach den anstehenden Aufgaben zu ernennen und sich unterdessen nach Kandidaten für die betreffenden Ämter umzusehen. Diesem Vorschlag wie auch dem Antrag auf Entlastung wurde stattgegeben.

 

Dienstag, 10. März 1998, 19.00 Uhr

Palisanderzimmer, Grand Hotel, Bahnhofstraße 1-3, 90402 Nürnberg

Frau Dr. Elisabeth Wolf

Ein Abend mit Haikus und über Haikus

Nach einem theoretischen und geschichtlichen Teil brachte Frau Dr. Wolf etliche Haikus zu Gehör; Professor Ludwig hatte im Schriftwechsel auf diesen Abend Bezug genommen und eigene Haikus geschickt, die von Dr. Kügel beigetragen wurden. Die Zuhörer nahmen lebendigen Anteil, namentlich Herr Günter Körner, der in der folgenden Zeit noch mehrmals mit Frau Dr. Wolf und Herrn Ludwig korrespondierte.

 

Zum Ehrenmitglied wurde ernannt:

Frau Dr. Inge Meidinger-Geise anläßlich ihres 75. Geburtstags am 16. März. Die Urkunde wurde vom Präses bei der Feier im Erlanger Haus Drei Cedern mit einer kurzen Ansprache überreicht. Anwesend waren die Kulturreferenten der Städte Erlangen und Nürnberg sowie eine große Anzahl bedeutender Persönlichkeiten des fränkischen Kulturlebens.

 

Als neue Mitglieder begrüßten wir:

Herrn Dr. Hermann Jäger und Frau Annajulia Krawinkel-Großmann

 

Am Ostersonntag 1998 verstarb

Dr. Edgar Traugott, Blumenordens-Mitglied Nr. 1588, im 86. Lebensjahr.

 

Dienstag, 21. April 1998, 19.00 Uhr

Fürstenhof, Grand Hotel

Herr Dr. Friedrich von Herford

Lesung aus dem "Amarantes"

Zum Kennenlernen für neue und zur Auffrischung für alte Mitglieder verlas der Präses selbst ausgewählte Abschnitte aus der Festschrift von 1744.

 

Samstag, 25. April 1998, 10.00 Uhr

Aufräumen im Irrhain

Herr Bäuerlein vom städtischen Hochbauamt hatte wieder dafür gesorgt, daß die Firma Liborius Gleißner am 7. April um 7.30 Uhr 12,9 Tonnen gemischten Kies ans Nordtor fahren ließ. Dr. Kügel und, zum drittenmal, Herr StD Ippisch aus Weiden standen bereit, um damit die Wege auszubessern. Am Nachmittag des folgenden Tages war die Arbeit beendet.

Es waren in den Februar-Stürmen zwei etwa 25 Meter hohe Bäume umgeworfen worden, die kreuz und quer über dem Weg zur Naturbühne lagen und sogar den südlichen Querweg versperrten. Glücklicherweise wußte Herr Bösl einen Kraftshofer, der für das Holz Verwendung hat und damit begann, diese Reste zu beseitigen.

Die mutwillige Beschädigung der Gesellschaftshütte durch einen Unbekannten wurde ebenfalls wieder behoben, wenn auch unter einem Kostenaufwand von DM 1100, und ihre Fenster sind besser gesichert als vorher. Während des Aufräumtages befreiten nicht nur die Pfadfinder vom Stamm "Silberner Löwe" den Hain von allerhand Abfall, sondern einer der Väter, Herr Wolfgang Lindner, war auch wieder mit seinem Akkugerät zur Stelle und sicherte zudem die Außenverbretterung der Hütte, die bisher nur mit rostenden Krampen angeschlagen war, mithilfe dutzender vernickelter Schrauben. Herr Walter Wachter, derselben Gruppe zugehörig, erwies wieder sein Geschick beim Umlegen eines völlig vermorschten Baumes am Langen Gang.

 

Freitag, 1. Mai 1998, 14.00 Uhr

Frühjahrsspaziergang im Irrhain

Fest des Förderkreises des Pfadfinderbundes "Weltenbummler", Bezirk Mittelfranken

Ab 14.00 Uhr kamen etwa 70 Personen im Irrhain zusammen. Von denen, die aus dem Mitteilungsheft von diesem Ereignis erfahren hatten, waren immerhin eine kleine Anzahl Personen anwesend, darunter Herr und Frau Zacharis, Frau Winkler und Frau Fink. Es hätten mehr sein dürfen, denn die Spiele, Gesänge und der Maitag im Irrhain überhaupt waren wieder einmal dazu angetan, frohe Laune zu erwecken, während das kurzzeitige Gewitter zwar an Klopstocks "Frühlingsfeier" denken ließ, aber seiner Beschreibung "...und der geschmetterte Wald dampft" zum Glück doch nicht ganz entsprach. Ein Deutschlehrer aus Frankreich war zufällig auch vorbeigekommen und wird nun hoffentlich seinen Klassen auch etwas vom Irrhain und vom Blumenorden erzählen können.

 

Am 12. Mai 1998 verstarb

Johanna Freifrau Thon von Dittmer, Blumenordens-Mitglied Nr. 1493, im 91. Lebensjahr

 

Um diese Zeit wurde der Orden leider wieder in seiner Öffentlichkeitsarbeit zurückgeworfen. Der Verlag, in dem der "Wochenspiegel" erscheint, änderte sein Konzept, wechselte den Redakteur, der ein volkstümliches Presseerzeugnis anstrebte, gegen einen aus, der bloß auf Anzeigen und Werbung aus ist, und vom Blumenorden erschienen von da an keine Gedichte mehr.

 

Freitag, 15. Mai 1998, 19.00 Uhr

Palisanderzimmer, Grand Hotel

Herr Prof. Dr. Rolf Gröschner

Die Rechtschreibreform eine Rückkehr des Obrigkeitsstaates?

Das Fragezeichen im Titel "Die Rechtschreibreform eine Rückkehr des Obrigkeitsstaaates?" mochte Herr Prof. Gröschner nicht so verstanden haben, daß er die Rückkehr des Obrigkeitsstaates auf diesem besonderen Gebiet bezweifelte; vielmehr gab er zu verstehen, daß er das Eintreten der Reform bezweifle. Kurzgefaßt, lautete sein Vortrag etwa folgendermaßen:

"Alle Schreibgewalt geht vom Volke aus" eine Paraphrase des Grundgesetzes, die darauf hinweisen soll: Der Staat hat zwar ein Münzregal, daher kann er uns den Euro zumuten, solange er für die Gangbarkeit dieser Währung einsteht; er hat aber kein Rechtschreibungsregal. Wenn er Schüler über Beschlüsse der Kultusministerkonferenz mit "Wortmünzen" ausstattet, die in der Sprachgemeinschaft keine gangbare Münze sind, handelt er rechtswidrig. Was richtig und was falsch geschrieben sei, ist nicht von der Exekutive festzulegen. Freilich entscheidet darüber nicht einfach eine Mehrheit der Sprachteilnehmer. In einer freiheitlich-demokratischen, d.h. republikanischen Staatsordnung entscheidet darüber die Mehrheit der Volksvertreter nach Maßgabe des Wohles der Gesamtheit wenn zu einer derartigen Entscheidung überhaupt Handlungsbedarf besteht.

Von Karlsruhe sei nach der Anhörung am 13. Mai 1998 zu erwarten, daß eine Kompromißlösung angestrebt werde, die eine Nachbesserung der Reform ermöglicht, bei gleichzeitiger Aussetzung des Geltungstermins 1. August 1998. In Wirklichkeit kam es dann anders: Karlsruhe entschied, daß die Kultusminister in der Tat berechtigt gewesen seien, die Rechtschreibung zu ändern. Das Volksbegehren in Schleswig-Holstein kam allerdings zu der Entscheidung, daß dieses Bundesland die Reform nicht umsetzt. Der Referent meinte, daß in diesem Fall die übrigen Bundesländer eine Spaltung der Einheitsschreibung des Deutschen nicht riskieren könnten. Hierin läge die Möglichkeit einer urdemokratischen Entscheidung, die zu ihrer Legitimation nicht einmal das Bundesverfassungsgericht nötig hätte.

Anhand mehrerer lächerlicher, bedenklicher, zum Teil haarsträubender Beispiele erweist der Referent unter einhelliger Zustimmung der Anwesenden, daß die neue Schreibung Sinnentstellungen und falsche Herleitungen mit sich bringt. Darüberhinaus hat der Erlanger Professor Dr. Munske, früher selbst Kommissionsmitglied in den Reihen der Reformer, nachgewiesen, daß etwa 800 Wörter infolge der neuen Auseinanderschreibung nicht mehr im Wörterbuch erscheinen eine Erschwernis für ausländische Deutschlernende, denn der Sinn der alten Zusammenschreibungen war eben doch ein anderer als die bloße Addition zweier Wörter gewesen.

Alle bisherigen staatlichen Eingriffe in die Schreibung haben Anpassung an das verlangt, was tatsächlich geschrieben wurde, und haben willkürliche Reformansätze einzelner Philologen (wie etwa Jacob Grimms Kleinschreibung) zurückgedrängt. Die jetzige Reform tut genau das Gegenteil.

Die leider nicht zahlreichen Anwesenden bedachten den Vortragenden mit regem Beifall, stellten zahlreiche Fragen, die der Versammlung eine überdurchschnittliche Länge verliehen, ohne daß dies ungünstig vermerkt worden wäre, und Dr. Kügel überreichte zum Dank als Vertreter des Präses eine Blumenordens-Festschrift und eine Gedenkmedaille.

 

Als Mitglieder Nr.1691 bis 1694 begrüßten wir mit Wirkung vom 1. Juni 1998:

Herrn Prof. Dr. Hartmut Bobzin, Frau Frieda Ilse Fink, Frau Ingeborg Höverkamp und Herrn Peter Woitas.

 

Dienstag, 16. Juni 1998, 18.00 Uhr

Hans-Sachs-Saal, Grand Hotel

Auszeichnung von Facharbeiten

Am 16. Juni 1998 zeichnete der Pegnesische Blumenorden vier Abiturienten Mittelfrankens aus, die im Rahmen der Leistungskurse Deutsch besonders gute und im Sinne der Ordensziele herausragende Facharbeiten vorgelegt hatten. Die Feier, mit einem Kalten Buffet geziert, fand im Grand Hotel statt und war bei einer Teilnehmerzahl von etwa 40 Personen raumfüllend besucht. Selbstverständlich fehlten die eingeladenen Vertreter der Nürnberger Presse; man druckte lediglich die übersendete Pressemitteilung in aller Kürze ab, nur die Preisträgerin Michaela Janke aus Höchstadt wurde im "Fränkischen Tag" zweispaltig mit Bild gewürdigt.

Der Präses begrüßte zunächst den Ministerialbeauftragten für die Gymnasien in Mittelfranken, Herrn Dr. Hanschel. Ohne dessen Mitwirkung hätte der Orden nicht ermitteln können, welche Facharbeiten mit den beiden besten Punktzahlen 15 und 14 bewertet worden waren. Trotz erheblicher Belastung mit der Durchführung der mündlichen Abiturprüfungen übermittelte er die Themen jener Arbeiten und setzte sich dafür ein, daß Verfasser, betreuende Kursleiter und Schulleiter später ihr Einverständnis zur Übersendung derjenigen der "sehr guten" Arbeiten gaben, deren Themen von Herrn Ordensrat StD i.R. Geiger und dem Vizepräses als vielversprechend vorgewählt worden waren. Herr Dr. Hanschel erhielt eine Festschrift zum 350jährigen Ordensjubiläum und eine der zu jenem Anlaß geprägten Silbermedaillen und bedankte sich mit einer kurzen Ansprache. Darin brachte er in Anlehnung an unser voriges Mitteilungsheft seine Sorge über das Verschwinden des Deutschen aus Wirtschaft und Wissenschaft zum Ausdruck und legte dar, was die Schulen tun, um die nächste Generation an die nötige Sprachbeherrschung heranzuführen. Gegenüber den Gefahren für die Ausdrucksfähigkeit erscheint ihm das Gerangel um die Rechtschreibreform völlig nebensächlich. Herr Dipl.-Ing. Burkhard von Praun war mit seiner Gemahlin von München angereist: Ihm ist zu verdanken, daß der Orden in die Lage versetzt wurde, die Feier überhaupt abzuhalten und den Preisträgern außer ihren Urkunden und aus dem Orden jüngst hervorgegangenen Büchern auch eine Anerkennungssumme von je 300 DM zu überreichen. Seinen tätigen Einsatz für die deutsche Sprache erwies er auch in seiner Erwiderungsrede. Auch er bekam eine Festschrift und eine Medaille überreicht.

Nachdem Herr Dr. von Herford die Preisträger, deren Eltern und Betreuungslehrer begrüßt hatte, gab er einen knappen Überblick über die wesentlichen Festschriften aus dem Orden und die neueren Buchveröffentlichungen über den Orden, um die folgerichtige Entwicklung seiner Tätigkeit anzudeuten. In diesen Zusammenhang stellte er die erste Preisverleihung an Facharbeit-Verfasser im Jahre 1994. (Von den damaligen Preisträgern war Herr Michael Klos der Einladung gefolgt und wurde mit großer Freude begrüßt.) Einen entsprechenden Wettbewerb an Gymnasien, der lyrische Produkte zum Gegenstand nimmt und von Herrn StD Müller-Mateen durchgeführt wird, sieht er nicht als Konkurrenzveranstaltung, sondern als erwünschte Ergänzung und hofft auf gute Beziehungen.

Es blieb nun Dr. Kügel vorbehalten, seine Beobachtungen an den auszuzeichnenden Arbeiten in der Form kurzer Lobreden vorzutragen.

 

Samstag, 4. Juli 1998, 10.00 Uhr

Aufräumen im Irrhain

"Alle einsatzfähigen Mitglieder des Ordens!" hatte die Aufforderung im Mitteilungsheft gelautet. Wenn alle derart beschriebenen dem Ruf gefolgt sind, sieht es mit der körperlichen Verfassung des Ordens schlecht aus. Man war zu viert beim Mähen, Schneiden, Kehren.

 

Sonntag, 5. Juli 1998, 14.00 Uhr

Irrhainfest

Wegen anhaltenden Regens fand das Fest im Saale statt, nämlich im Oberstock der "Alten Post" bei Herrn Bösl.

Begrüßung durch den Präses, Herrn Dr. von Herford

Irrhainspiel: "Frau Wahrheit will niemand beherbergen" von Hans Sachs; es spielten drei Mitglieder der Hans-Sachs-Spielgruppe der Stadt Nürnberg:

Erika Peßler (Frau Wahrheit), Ulla Drechsler (Bäuerin) und Werner Frenzel (Bauer).

Zum Umtrunk mit dem Ordenspokal hatten wir einen weitgereisten Gast: Dr. Diakonow aus der Ukraine, der zu Forschungszwecken im Lande war, nahm auch am Irrhainfest teil.

Die Lesung von Prof. Dr. Peter Horst Neumann, Erlangen, mußte krankheitshalber leider entfallen.

Fränkische Volksmusik spielten die Effeltricher Musikanten

 

Am 14. 8. 1998 verstarb

Gisela Freifrau von Scheurl-Defersdorf, Trägerin des Ehrenkreuzes des Pegnesischen Blumenordens, im 83. Lebensjahr.

 

Über seinen Forschungsaufenthalt schreibt Dr. Diakonow:

"Die Nachricht vom 350-jährigen Jubiläum des Pegnesischen Blumenordens und die Festschrift zum Jubiläum haben Anstoß gegeben, sich erneut mit dem Thema "Deutsche Sprachgesellschaften" auseinanderzusetzen. Es entstand ein reger Briefwechsel mit dem Vize-Präses des Ordens, Prof. Dr. W. Kügel, der viele neue Informationen brachte, welche auch wissenschaftliches Interesse verstärkten. Dann wurde ein Forschungsvorhaben konzipiert, das im Juli-August 1998 unter der wissenschaftlichen Betreuung durch Professor Dr. phil. Theodor Verweyen von der FAU Erlangen-Nürnberg durchgeführt wurde. Der Deutsche Akademische Austauschdienst hat das Forschungsvorhaben mit einem Stipendium gefördert, und als DAAD-Stipendiat konnte ich umfangreiche Unterstützung deutscher Wissenschaftler und Institutionen sowie vieler Pegnesen genießen.

Der Aufbewahrungsort des Pegnesen-Archivs ist das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg, eine in vieler Hinsicht zu empfehlende Stätte, wo sich das Nützliche und das Angenehme vereinen lässt, ganz im Sinne der Pegnesen. Die Bearbeitung von Archivmaterial kurz vor 1800 und bald danach erwies sich aber als nicht so einfach. Es stellte sich heraus, dass die in zahlreichen Bündeln aufbewahrten Dokumente wenig systematisiert sind. Die Mitarbeiter des Archivs im GNM waren so nett, die Aufbewahrungsräume sowie Regale zu zeigen und Einblick in diverse Bündel zu gewähren, um eine effektive Suche nach Material zu ermöglichen und seine Bearbeitung voranzubringen. Eine weitere Schwierigkeit bestand darin, dass viele Dokumente, die von Interesse sind, in handschriftlicher Abfassung existieren, allen voran die Briefe der Ordensmitglieder und Sitzungsprotokolle. Die Bearbeitung handschriftlich abgefasster Dokumente bietet auch Muttersprachlern genug Schwierigkeiten und Strapazen, geschweige denn ihren ausländischen Kollegen.

Die Zwischenbilanz des Forschungsprojekts bildete bereits das Thema zweier Konferenzvorträge, und die Fragen der Anwesenden zeugten von wachem Interesse. Mir schien es dabei prinzipiell wichtig, neben dem historischen Aspekt auch die Gegenwart ins Blickfeld zu rücken, wobei ich stets bemüht war, meinen Eindruck zu vermitteln, dass der Pegnesische Blumenorden ein fester Bestandteil der Nürnberger Kulturlandschaft sowie der bayerischen Kulturpolitik ist, deren Eckstein bekanntlich die Traditions- und Kulturpflege bilden."

 

Samstag, 12. September 1998

Herbstfahrt

Treffpunkt: Zentraler Omnibus-Bahnhof, 8.00 Uhr

Fahrt nach Sulzbach-Rosenberg und Besuch des "Literaturarchivs". Frau Dr. Baumann-Eisenack führte eineinhalb Stunden durch die anschaulichen Bestände, die einen Hintergrund der Literaturentwicklung in der Nachkriegszeit sichtbar machen.

Mittagessen in der Brauereigaststätte Bruckmüller beim Theater in Amberg, die von Herrn Grieb vorab passend ausgesucht worden war. Zum anschließenden Stadt-Spaziergang konnten sich angesichts des kalten und windigen Wetters nur wenige entschließen.

Fahrt nach Kastl, Besichtigung der Kirchenburg. Der körperlichen Leistungsfähigkeit der Pegnesen wird mit den 250 Stufen aus dem Tal bis zur Burg das Letzte abverlangt unnötigerweise, wie sich herausstellt: Von hinten her wäre die Kirche auch mit dem Bus zu erreichen gewesen. Anstelle des ursprünglich vorgesehenen Herrn Bürgermeisters, der schwer erkrankt war, führten kenntnisreich und ansprechend Herr und Frau Schultheiß, die Betreuer des Heidecker Heimatmuseums. Anschließend mühseliger Abstieg zum Bus. Frage: Ist jeder zurück? Nach positiver Antwort Weiterfahrt:

Kaffeepause im Café Berghof bei Kastl. Erst nach gut einer Stunde, beim Aufbruch, stellte Frau Schaedel fest, daß ihr Sitznachbar im Bus , Herr Matthaei, fehlte. Allgemeine Besorgnis.

Heimfahrt, Rückkehr gegen 19.00 Uhr. Um 21.30 Uhr gelang es Dr. Kügel, nach telephonischen Rückfragen bei mehreren Stellen, Herrn Matthaei unter dessen eigener Nummer anzurufen. Er hatte die Spur der Gruppe nach der Kirchenführung in Kastl verloren, sich ein Taxi nach Neumarkt bestellt und war von dort mit dem Zug nach Hause gefahren. Große Erleichterung.

 

Freitag, 25. September 1998

Herr Dr. Godehard Schramm erhielt in Bamberg aus der Hand des Bezirktagspräsidenten Gerd Lohwasser den Otto-Grau-Kulturpreis, der mit 20000 DM dotiert ist und alle zwei Jahre an eine herausragende fränkische Künstlerpersönlichkeit verliehen wird.

 

28. September 1998

Lokaltermin in der Gegend des Nürnberger Westbades:

Dr. von Herford, Dr. Kügel, Herr Geiger, Dr. Rusam, StD Schöler, Herr Cantzler (Vorsitzender des Bürgervereins St. Johannis, des betreffenden Stadtteils), dazu Herr Winkelmeier vom Wasserwirtschaftsamt und Herr Zäwer von der Stadtverwaltung. Die Pegnitz soll auf ein paar hundert Meter in naturnahen Zustand rückgebaut werden, Herr Cantzler hatte davon erfahren, sich erinnert, daß dort das Poetenwäldchen der ersten Pegnesen war, den Vorstand davon in Kenntnis gesetzt, und nun besprachen die Teilnehmer des Anschauungsganges das Konzept einer Gedenkstätte, die nicht bloß zum Anschauen, sondern zum Abhalten von Lesungen tauglich und dadurch im Sinne der Tradition des Ordens gestaltet werden soll.

 

Dienstag, 13. Oktober 1998, 19.00 Uhr

Palisanderzimmer, Grand Hotel

Herr StD Robert M. Müller-Mateen

Lyrik mittelfränkischer Gymnasiasten

Ein aufschlußreiches Referat von Herrn StD Müller-Mateen, der am Ohm-Gymnasium in Erlangen tätig ist und sich große Verdienste erwirbt mit seinen Lyrikwettbewerben mittelfränkischer Gymnasiasten. Es entsteht der Eindruck, in einem gewissen Alter drängten viele zu lyrischer Hervorbringung, die meisten ohne rechtes Vermögen, und interessant würden die Produkte erst nach diesem entwicklungsbedingten Drang. Der Referent sieht es großenteils auch so, hat aber überzeugend dargetan, wie er die jungen Leute zu weiterführender Arbeit an ihren Gedichten anhält, auch wenn sie bereits dafür prämiiert worden sind, daß sie eine eigene Stimme gefunden haben, und daß er wenigstens mehr und bessere Leser erziehen kann, wenn auch keinen zum Dichter machen.

 

Dienstag, 10. November 1998, 19.00 Uhr

Palisanderzimmer, Grand Hotel

Herr StD Dr. Rusam

Geschichte der Juden in Nürnberg ab 1850

Vortragsabend mit Diavorführung, gehalten von unserem Mitglied Dr. Rusam, der übrigens demnächst zum Honorarprofessor der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät ernannt wird. Referent und Vizepräses (in Vertretung des Präses) waren etwas gespannt wegen des Themas, denn man weiß nie, was einem älteren Deutschen dazu als Zwischenbemerkung einfällt. Zuletzt war man aber sehr erleichtert, daß der Blumenorden offenbar lauter anständige und humane Mitglieder zählt. Herr Rusam hob auch hervor, daß die Beiträge in der anschließenden Aussprache sich durch echt menschliche Haltung ausgezeichnet haben, sowie durch sachlich ergänzende, tief betroffene Wiedergabe eignener Eindrücke vom Judenpogrom des Jahres 1938. Frau von Obert zum Beispiel konnte überzeugend darlegen, daß man zwar vom KZ Dachau wußte, das ganze Ausmaß der Judenvernichtung in Lagern wie Auschwitz und Treblinka aber erst nach Kriegsende erfuhr. Aber schon 1938 gab es viele Leute, die im geheimen zueinander sagten: "Gnade uns Gott, wenn wir einmal büßen müssen, was da geschehen ist!"

 

Sonntag, 6. Dezember 1998, 14.00 Uhr

Fürstenhof, Grand Hotel

Adventsfeier

Begrüßung durch den Präses, Herrn Dr. von Herford

W.A. Mozart: Wiener Sonatine Nr. 1 C-Dur, Allegro brillante

Ansprache des Herrn Regierungspräsidenten von Mittelfranken, Dr. Karl Inhofer

Menuetto

Dr. Bernhard Brons: Adventsgedanken

Adagio Allegro

Es spielten: Juliane Göldner-Kügel (Violine) und Renate Herzog (Klavier)