Chronik 2002

Dienstag, 15. Januar 2002, 19.00 Uhr, Caritas-Pirckheimer-Haus

Günter-Stössel-Abend

Der bekannte Mundartdichter und Liedermacher ("Aff Nernberch nei", "Globetrottel-Rag") ist dieses Jahr das Glanzlicht des Heiteren Abends. Wegen der zu erwartenden Zuhörermenge (es werden dann etwa 60) ist eigens der Große Saal des CPH zur Verfügung gestellt worden. Herr Stössel lenkt in einermundartlichen Plauderei, die manches vergnügte Lachen hervorruft, immer wieder auf einzelne seiner Lieder, die er zur Gitarre vorträgt, und liest am Ende Wilhelm Buschs "Fromme Helene" in seiner nürnbergischen Mundartfassung, wobei er sich als Vorleser der hochdeutschen Version zum Zweck des Kontrastes Dr. Kügel ausersehen hat. Das Publikum erwirbt in der Pause etliche der mitgebrachten Bücher, und Günter Stössel hat viel zu signieren.

 

Dienstag, 5. Februar 2002, 19.00 Uhr, Caritas-Pirckheimer-Haus

Jahreshauptversammlung

Erschienen sind 13 Personen, den Vorsitz hat Dr. Kügel als Präses, das Amt der Schriftführerin versieht Frau Fink.

Nach ordnungsgemäßer Erledigung der Formalien verliest Frau Fink den Jahresbericht 2001. Es wird beschlossen, daß der Jahresbericht von Frau Köstler handschriftlich ins Ordensbuch eingetragen wird.

Herr Direktor Platzer gibt Aufschluß über die finanziellen Verhältnisse des Ordens. Die Einnahmen haben die Ausgaben geringfügig überschritten; damit ist eine Finanzierung der laufenden Tätigkeiten des Ordens sichergestellt. Der Vizepräses beantragt Entlastung des Vorstandes. Diese wird bei Enthaltung der anwesenden Vorstandsmitglieder von allen übrigen Anwesenden gewährt.

Die neue Satzung als Ganzes, dessen Annahme eine Zweidrittelmehrheit benötigt, gelangt zur Abstimmung. 13 sind dafür, niemand dagegen, niemand enthält sich, damit ist die neue Satzung angenommen.

Frau Kreppners Wunsch, die Abendveranstaltungen in Zukunft wieder um 19.30 Uhr beginnen zu lassen, wird von 12 Teilnehmern bei einer Enthaltung angenommen.

Wegen der Währungsumstellung ist es nötig, den Mitgliedsbeitrag neu festzusetzen. Nach Aussprache wird der Jahresbeitrag von 50 Û für Mitglieder innerhalb Mittelfrankens einstimmig angenommen; für einen Jahresbeitrag von 20 Û für alle anderen Mitglieder stimmen 9 Teilnehmer, 4 enthalten sich: damit ist der Vorschlag angenommen. Allerdings wird auch einstimmig beschlossen, dass die Erweiterung der vollen Beitragspflicht sowie die Einführung des ermäßigten Beitrags für Auswärtige erst auf künftig aufzunehmende Mitglieder angewendet werde.

 

Dienstag, 5. März 2002

Anlieferung von Material

Anlieferung von 13,8 Tonnen Kalksplitt durch die Firma Deuerlein; Dr. Kügel nimmt am Irrhain die Fracht ab.

 

Dienstag, 12. März 2002, 19.00 Uhr, Caritas-Pirckheimer-Haus

Vortrag

Prof. Dr. Hermann Rusam spricht vor über 40 Zuhörern über "Tibet − Das Land auf dem Dach der Welt". Die Anwesenheitsliste erreicht nur 21 Personen, davon 13 Nichtmitglieder, weil der Raum so überfüllt ist und es wegen des Lichtbildervortrags meistens an Raumbeleuchtung fehlt. Offensichtlich ist der Abend aber wieder ein großer Erfolg für den Vortragenden (und damit auch für den Blumenorden): Die kundigen und großenteils neuartigen Kommentare zu den selbst aufgenommenen Bildern von zauberhaften Landschaften und großartigen Kulturdenkmälern, die Ausführungen über die Bedrückung, der das tibetische Volk ausgesetzt ist, gehen den Besuchern nahe.

 

Freitag, 15. März 2002, Logenhaus an der Hallerwiese,19.00 Uhr

Vortrag außer Hauses

Dr. Kügel stellt den Mitgliedern der Freimaurerloge "Zu den drei Pfeilen" den Blumenorden vor.

 

26. bis 28. März 2002

Wegebau im Irrhain

StD Ippisch und Dr. Kügel befestigen zum voraussichtlich letzten Mal in absehbarer Zeit das nun vollständige Wegenetz mit Kalksplitt.

 

Dienstag, 16. April 2002, 19.00 Uhr, Caritas-Pirckheimer-Haus

Vortrag

"Der heilige Veit von Corvey − sind 300 Jahre Geschichte erfunden?" Walter Beie, Architekt aus Erlangen, versucht in diesem von 37 Personen, davon 21 Nichtmitgliedern, besuchten Vortrag, anhand der Baugeschichte des Klosters Corvey darzustellen, dass die Geschichtsfälschungen der ottonischen Zeit umfangreicher sein könnten als gedacht. Heribert Illig und Uwe Topper hätten die These aufgestellt, daß an der Wende des 7. zum 8. Jahrhundert Kaiser Otto III. und Papst Silvester II. das Jahr als 1000 n. Chr. festgelegt hätten, daß also etwa 300 Jahre "übersprungen" worden seien. Herr Beie erklärt, daß es eigentlich nur zwei Primärquellen aus  dieser frühen Zeit Corveys gebe, die "Vita Caroli Magni", die Einhard verfaßte, und die "Vita" des hl. Veit. Beide wiesen einige Seltsamkeiten auf. Aus der Karolingerzeit sei nichts Originales mehr vorhanden, nur Abschriften. Für den Referenten ist klar, daß der Bau der Kirche von Corvey sowie die Christianisierung erst in ottonischer Zeit, im10. Jahrhundert also, geschahen. Erste Aufzeichnungen der Legende des hl. Veit entstanden schon um 400, die Vita sancti Viti dann um 600. Im Bestreben, den Heiden "Ersatzgötter" zu geben, sei "das tote12-jährige Kind Veit bis ins kleinste Detail zerlegt und verschachert worden", führt der Referent aus. Er folgert aus dem geringen Wahrheitsgehalt der Geschichten von Karl, Veit und Corvey eine politisch motivierte Verknüpfung der Veitslegende mit Kloster Corvey. Alle diese erfundenen Beschreibungen seien dann durch zurückdatierte Urkunden legitimiert worden, so daß die Kirche alle Schenkungen direkt auf die Karolinger zurückführen konnte. In der kurzen Diskussion wird die Theorie angezweifelt, denn die dendrochronologische Bestimmung des Fälljahrs von Bauhölzern könne keine Jahre unterschlagen. Jedes Jahr sei schließlich durch einen Jahrring dargestellt. Die Jahrringkurven gingen bis in die Vorgeschichte zurück. Walter Beie merkt dazu an, daß die fehlenden Jahre durch das Computer-Programm überbrückt würden, weil gerade im fraglichen Zeitraum Unklarheiten herrschten.

 

Zweite Mitgliederversammlung

Im Anschluß an Vortrag und Diskussion bleiben 14 Mitglieder noch zusammen, um den Vorstand und die zwei Kassenprüfer zu wählen. Diese Tagesordnungspunkte waren in den Einladungen zur Jahreshauptversammlung nicht enthalten gewesen. Der Präses bittet Herrn Georg Schultheiß, das Amt des Wahlleiters zu übernehmen. Zum Präses wird mit 14 Stimmen, 0 Gegenstimmen und bei 1 Enthaltung wiedergewählt: Dr. Werner Kügel; zum Vizepräses wird mit 14Stimmen, 0 Gegenstimmen und bei 1 Enthaltung wiedergewählt: Herr Manfred Grieb; zur Schriftführerin wird mit 14 Stimmen, 0 Gegenstimmen und bei 1Enthaltung wiedergewählt: Frau Frieda Ilse Fink; zum Schatzmeister wird in Abwesenheit mit 15 Stimmen, 0 Gegenstimmen und bei 0 Enthaltungen wiedergewählt: Herr Karl Platzer. Zu Buchprüfern werden Frau Leonore Köstler und Herr Thomas Wirkner gewählt. Der Präses verliest anschließend die Satzungsänderungen, die nach Rücksprache mit Registergericht und Zentralfinanzamt nötig geworden sind, in der Auffassung, daß dieses Verfahren bereits aufgrund der neuen, auf der letzten Versammlung beschlossenen Satzung rechtens sei. Dies stellt sich in der Folge leider als Irrtum heraus.

Der Präses stellt die Frage, welcher Wochentag für regelmäßige Veranstaltungen im Caritas-Pirckheimer-Haus ab Oktober 2002 gewählt werden solle, nachdem Herr Prof. Dr. Ertl als Leiter des Hauses den Dienstag als Tag seiner eigenen Akademieserie für ungünstig erklärt hat. Die Versammlung wählt mit 12 gegen 2 Stimmen bei einer Enthaltung den Mittwoch.

 

Samstag, 27. April 2002:

Räumen im Irrhain

Wieder entfernen Pfadfinder und Wölflinge des Bundes "Weltenbummler" und einige ihrer Eltern restliches Laub vom Vorjahr, tragen Bruchholz auf dem entsprechenden Haufen zusammen und reinigen die Hütte. Die Gedenktafel "Elisabeth Fürst" ist wegen Metallermüdung der Aufhängeöse heruntergefallen, zum Glück ohne weitere Beschädigung, und wird bis zur Reparatur einstweilen in der Hütte untergebracht. Die Waldarbeitsschule Büchenbühl hatte Baumsteiger geschickt, die zwei von Herrn Förster Schiessl als gefährlich bezeichnete Totäste von Eichen über dem Langen Gang absägten und herabließen. Damit sie nicht weiter längs des Weges liegen, werden sie von Herrn Ralph Hilpert und Dr.Kügel mithilfe zweier Kettensägen in handlichere Stücke zerlegt und zur Zwischenlagerung in die Gerätehütte gebracht; Herr Wachter macht schon einmal einige der Klötze zu Kleinholz für das nächste Pfadfinderfest im Irrhain. Frau Köstler kann diesmal nicht selbst kommen, hat sich aber dankenswerterweise wieder dafür eingesetzt, dass "Brezen Kolb" eine Schachtel frischer Brezen für den Anlaß zur Verfügung stellt; sie sind am Morgen abgeholt worden und munden vorzüglich.

Mittwoch, 1. Mai 2002

Irrhainführung

Dr. Kügel führt eine Gruppe von Gymnasiallehrern auf Anfrage des Didaktik-Dozenten OStD Köhler durch den Irrhain und anschließend in die St. Georg-Kirche Kraftshof.

 

Donnerstag, 9. Mai 2002, 14.00 Uhr, Irrhain

Frühjahrsspaziergang im Irrhain

Der Förderkreis des Pfadfinderbundes "Weltenbummler", Bezirk Mittelfranken gestaltet einen Nachmittag mit Lagerleben und Vorführungen, Spielen, Geschicklichkeitsübungen, Liedern, Imbiß. Die Schirmherrschaft hat Frau Stadträtin Wellhöfer übernommen. Leider muß man entdecken, daß ein Schmierer auf den Querbalken der Fußgängerpforten, an der Hüttentür und im Innern des Hüttenvorraums ausgesprochen dummdreiste Aufschriften angebracht hat.

Dienstag, 14. Mai 2002, 19.00 Uhr, Caritas-Pirckheimer-Haus

Vortrag

Nur elf Zuhörer, darunter fünf Nichtmitglieder, sind erschienen, um den eigens von der Universität Hohenheim bei Stuttgart angereisten und auf Kosten des Blumenordens im CPH untergebrachten Herrn Dr. Joachim Halbekann über ein kurioses Mitglied des Blumenordens sprechen zu hören, aber diese Anwesenden nehmen einen starken Eindruck mit.

Der Herr "Dr. jur. Anton Müller", Mitglied Nr. 272, war eigentlich Freiherr Johann Adam von Bodman-Bodman, geboren 1765. Obwohl er der älteste Sohn war, wurde er von seiner Familie erst dem geistlichen Stand gewidmet. 1791 wurde er nach gewissen Flegeleien, die eine Stelle im höheren katholischen Klerus nicht angeraten erscheinen ließen, Pfarrer in Bodman, aber wegen Verfehlungen ab 1795 samt seiner schwangeren Freundin flüchtig. Aufenthalte in mehreren Städten Norddeutschlands schlossen sich an, und, wie nur leider deutlich zu vermuten ist, auch ein Diebstahl und versuchter Raubmord. Er versuchte seinen Unterhalt als freier Schriftsteller zu verdienen: immerhin ist er Verfasser von etwa 20 Büchern, darunter Werke über Landbau, die sich nicht durch Sachkenntnis auszeichnen, aber ein als tüchtig angesehenes Lehrbuch des Französischen. Ab 1807 hielt er sich in Nürnberg auf. Aufgrund eines fiktiven Lebenslaufes erhielt er eine Stelle als Lehrer für neuere Sprachen am Realgymnasium und wurde sogar sehr vorteilhaft beurteilt. In den Blumenorden wurde er als Ehrenmitglied aufgenommen am 10. 8. 1807 und auf seinen Wunsch seit 7. 11. 1808 ordentliches Mitglied. Seine Freundschaft zu dem verdienten Mitglied Kiefhaber überstand seinen Konkurs von 1817. Er ging etwa gleichzeitig mit diesem als Professor der neueren Sprachen nach Landshut;1823 nach München. Die ganze Zeit hielt er seine missbilligende Familie in Atem, indem er einmal als drohender Enterbter aus der Ferne seine mageren Zuwendungen aufzubessern trachtete, dann wieder als schluchzender Verlorener Sohn auftrat. Er ist verstorben am 4. März 1833 in München.

 

Mittwoch, 15. Mai 2002, 18.00 Uhr, Irrhain

Dichterlesung anläßlich des Erlanger Stadtjubiläums

Angeregt und unterstützt von Frau Jutta Brandis vom Bildungszentrum Erlangen, finden sich drei Dichter, die Mitglieder des Pegnesenordens sind, bei schräg einfallendem Nachmittagslicht unter blühenden Kastanienbäumen des Irrhains ein, um einer Gruppe von Zuhörern aus Erlangen, vielleicht 25 Personen, und einigen versprengten Nürnbergern eigene Texte vorzulesen. Zum Glück ist es vorher gelungen, die Holzfirma Besold in Neunhof zur Abordnung des Juniorchefs zu bewegen, der die Schmiereien von den Holzoberflächen restlos und unauffällig abgeschmirgelt hat. So präsentiert sich der Hain von seiner besten Seite, die Dichter von witziger und phantasievoller. Es handelt sich um Ewald Arenz, Reinhard Knodt und Roland Rosenbauer. Leider sind die beiden Erlanger Dichter des Ordens, Hans König und Inge Meidinger-Geise, krankheitshalber verhindert.

 

Neuaufnahmen

Als Mitglieder Nr. 1713 bis 1716 begrüßen wir Herrn Dr. Gerhard Fink, Herrn Michael Metzner, Herrn Roland Rosenbauer und Herrn Dipl.-Ing. Günter Stössel.

 

Montag, 3. Juni 2002, Lauf, Waldgasthof "Am Letten",12.00 Uhr

Vortrag außer Hauses

Dr. Kügel stellt den Mitgliedern des Rotary-Clubs "Nürnberger Land" auf Anregung von Herrn Gerhard Danzl den Blumenorden vor.

 

Dienstag, 11. Juni 2002, 19.30 Uhr,Caritas-Pirckheimer-Haus

Vortrag

StD i.R. Hans Recknagel, Altdorf, sprich tauf der Grundlage seines neuerschienenen Altdorf-Buches über "Die Beziehungen der Universität Altdorf zum Blumenorden". 20Zuhörer sind erschienen, darunter 10 Nichtmitglieder. Es wird deutlich, daß die sprachwissenschaftliche Tätigkeit und die normsetzenden Bemühungen des Blumenordens in den Jahrzehnten um 1700 von Mitgliedern ausgingen, die Altdorfer Professoren waren. Hier sind vor allem die beiden Präsides Magnus Daniel Omeis und Christian Gottlieb Schwarz zu nennen. Eine sehr wesentliche Auffrischung des Blumenordens, der eine Orientierung zur Geschichtswissenschaft folgte, geht auf den Altdorfer Professor Georg Andreas Will und eine Gruppe seiner Studenten zurück. Obwohl der Blumenorden das Ende der Altdorfer Universität überlebt hat, ist Altdorf nicht als Bezugspunkt aus seinem Bewußtsein verschwunden. Dr. Kügel erwähnt in diesem Zusammenhang seine Kollegin Prof. Dr. Kisro-Völker, die sich bemüht, in Altdorf eine freie "Internationale Universität" mit Kursen zur Ergänzung des Erlangen-Nürnberger Angebots auf privatwirtschaftlicher Grundlage zu errichten. Zur Gründungsversammlung schickt der Blumenorden eine Grußbotschaft.

Donnerstag, 27. Juni 2002

Das Ordensmitglied Prof. Horst Ludwig aus Minnesota kommt auf seiner diesjährigen Deutschlandreise in Nürnberg an und nimmt bis zum 11. Juli mit seinen zwei Töchtern Wohnung bei Dr.Kügel.

Trauerfall

Am 27. Juni 2002 verstirbt Herr Johannes Schuckert, Mitglied Nr. 1635. Er war geboren am 28. 5. 1920 in Schneidemühl (Pommern), beruflich war er Angestellter bei der Nürnberger Verkehrs-AG. In den Orden aufgenommen wurde er am 1. 4. 1990 und stand uns nahe als treuer Besucher der Veranstaltungen und über Jahre hinweg tätiger Helfer im Irrhain. Seiner Witwe, ebenfalls Ordensmitglied, gilt herzliches Beileid und die Versicherung, daß wir sein Andenken bewahren werden.

 

Samstag, 6. Juli 2002, 10.00 Uhr, Irrhain

Aufräumen im Irrhain

Es fällt einiges an Verschnitt an, um die Grasflächen und gewisse Büsche zu trimmen; ansonsten ist der Irrhain schon in gutem Zustand gewesen. Allerdings haben Landwirte, wahrscheinlich die westlichen Anrainer, um bessere Zufahrt zu ihren Äckern zu erhalten, die Schutzhecke nach Kraftshof hin zurückgeschnitten und überhängende Äste abgesägt. Diese sind einfach am Rand liegengeblieben und haben, zusammen mit einem gefällten oder umgestürzten Baum, den bisher errichteten Flechtzaun zum größten Teil niedergedrückt. Da sich kein allzu störendes Bild ergibt und der Durchgang außerhalb von Wegen dadurch ebenfalls verwehrt bleibt, muß zunächst nichts dagegen getan werden.

 

Sonntag, 7. Juli 2002, Irrhain

Irrhainfest

11.00 Uhr: die Pavillonzelte werden aufgebaut. Eines erweist sich als beschädigt und wird der Abfallverwertung zugeführt.

14.00 Uhr: Begrüßung an der Naturbühne. Daraufhin bietet die Hans-Sachs-Spielgruppe Nürnberg das Spiel "Der Hahnenkampf" von Hans Sachs. Heinz Dötsch wird gespielt von Peter Woitas, Hermann Grampas von Adolf Breinbauer, Martsch von Ulla Drechsler und Schleckmetz von Maria-Theresia Rupp. Akustische Probleme im Freien und die aller Technik bare Naturbühne stellen für die erfahrenen Schauspieler kein Hindernis dar, temperamentvoll und derbkomisch zu agieren. Das Vergnügen ist allgemein. Um 14.45 Uhr schließt sich daran der Umgang, um 15.15 Uhr Imbiß und traditioneller Umtrunk. Einige der Beiträge der zum Umtrunk Aufgerufenen haben fast den Charakter eigener Programmpunkte; in einem Fall ist das auch geplant: Dr. Deterding (Berlin) liest aus der von ihm fertiggestellten Novelle "Der Feind" von E.T.A.Hoffmann, die Dürer zum Gegenstand hat. Damit wird, auch wenn es zum leichten Befremden einiger Besucher dadurch länger dauert, eine Tradition früherer Irrhainfeste fortgeführt und dem Zusammentreffen ein stärkerer Anteil von Literaturpflege verliehen. Kurz nach 16.00 Uhr leitet ein musikalischer Ausklang mit den Loonhardern das Ende des Festes ein. Das Wetter hat die Pegnesen begünstigt. Zur Kostendeckung war ein Betrag von 7Euro erhoben worden, in dem der Imbiß enthalten ist.

 

Freitag, 12. Juli 2002, 22.00 Uhr, Irrhain

Nachtführung

Da die Nachtführung im Vorjahr so zahlreichen Besuch gefunden hat, daß Erklärungen doppelt abgegeben werden mußten, um alle zu erreichen, haben sich Blumenorden und Pfadfinderbund "Weltenbummler" in diesem Jahr zu zwei Führungen entschlossen, wieder unter Beleuchtung mit Fackeln und Petroleumlampen und Lampions. Zur ersten Führung am Freitagabend können die Pfadfinder 34 Teilnehmer von Kraftshof abholen, und Dr. Kügels Umgang findet unter guten Bedingungen und mit gutem Anklang statt.

 

Samstag, 13. Juli 2002, 13.45 Uhr, Irrhain

Feier von Gästen

Das Ehepaar Fürsattel, das vor fünf Jahren aufgrund von Absprache mit dem Blumenorden seine Trauungszeremonie auf der Naturbühne abgehalten hatte, feiert die Taufe seiner Tochter, die in St. Georg in Kraftshof stattgefunden hat, anschließend mit einem vom "Schwarzen Adler" bezogenen Büffet rund um die Hütte. Etwa 50 Personen sind anwesend. Dem Blumenorden wird für die Genehmigung ein ansehnlicher Betrag als Spende überwiesen.

22.00 Uhr

Zweite Nachtführung

Das Wetter erscheint unsicher; dennoch nimmt die Helfergruppe wieder ab 20.00 Uhr die Arbeit auf sich, die Beleuchtung herzurichten. Als die Pfadfinder mit ihren Fackeln nach Kraftshof loslaufen, beginnt es zu tröpfeln. Binnen kurzem verstärkt sich der Regen zum Guß, die Teelichte in den farbigen Gläsern längs des Langen Ganges und zur Hütte hin verlöschen, die Lampions am "Kirchhof" sind nicht mehr zu retten. Unter diesen Bedingungen rechnet Dr. Kügel nicht mehr mit Besuchern, doch als er vom Steinportal aus den rückkehrenden Pfadfindern entgegenspäht, findet er die Lichterkette wieder auseinandergezogen wie am Vortag, und wieder sind über30 Menschen erschienen, die mit ihren Regenschirmen und festen Schuhen dem Platzregen trotzen. An eine reguläre Führung ist dennoch nicht zu denken. Alles, was sich tun läßt, ist, daß die Besucher sich in der Hütte und dem Vorraum zusammendrängen und Dr. Kügel durch das zum Vorraum geöffnete Fenster alle an seinen Erklärungen teilhaben läßt und Fragen beantwortet. Etwas früher als gedacht müssen die durchnäßten Pfadfinder mit einem zweiten Satz von Fackeln den Besuchern die Rückkehr zur Omnibushaltestelle beleuchten, während die ebenso durchnäßten übrigen Helfer, so gut wie im Taschenlampenlicht möglich, den Abbau bewerkstelligen.

 

Dienstag, 23. Juli 2002, 19.30 Uhr, Hinterzimmer desKünstlerhauses

Lesungsabend

Dieser Abend ist Veröffentlichungen des vergangenen Jahres sowie Ankündigungen bevorstehender Veröffentlichungen aus dem Kreis der Mitglieder gewidmet. Dr. Reinhard Knodt liest aus dem Text seines Oratoriums "Walburga-Legende" und gibt vom Tonband Ausschnitte eines früheren Oratoriums zu Gehör, das auch schon von Hans Kraus-Hübner vertont worden war. Musik und Text machen einen beinahe unheimlichen, aber gerade deswegen faszinierenden Eindruck. Dr.Alfred Rottler liest aus seinem im Jahr 2000 erschienenen Buch "Wo sind all die Götter, Wer ist Gott?", einem Roman, der religionskritische Betrachtungen, einigen seiner Nebenfiguren in den Mund gelegt, mit einer packenden Handlung voller persönlicher Konflikte zwischen christlichen, jüdischen und islamischen Protagonisten verbindet. Es ist nicht als Korrektiv zu Knodts beinahe liturgischem Text beabsichtigt, gibt aber doch zu einem Schwenk der Wahrnehmung Anlaß. Georg und Eva Schultheiß berichten über ihre Sammlung von Photos der Krippendarstellungen im Landkreis Roth-Hilpoltstein, wofür sie eine begleitende Textsammlung von beruflichen und Liebhaber-Schriftstellern, auch von der Schreibwerkstatt Wendelstein, zusammengestellt haben. Dr. Kügel war ein wenig bei der Auswahl behilflich gewesen und hatte ein Vorwort beigesteuert. Ein Text des unlängst verstorbenen Malers und Dichters Georg Hetzelein stimmt die zehn Zuhörer wieder heiter. Abende wie dieser, an einem anderen Ort abgehalten als die Vorträge, sollten sich als feste Programmpunkte des Pegnesenjahres einführen und werden dann hoffentlich auch besser besucht.

 

Neuaufnahme zum 1. September 2002:

Als Mitglied Nr. 1717 begrüßen wir: Herrn Gerold Effert, Studiendirektor i.R., Schriftsteller und Graphiker aus Fulda.

 

Samstag, 7. September 2002, Irrhain

Irrhainpflege und Grillen

Nach und nach finden sich ein: Eva und Georg Schultheiß, Thomas Wirkner, Peter Löw, Frau Köstler, Frau Reubel und Mario Reubel, Herr und Frau Reiß, Helge Weingärtner, Dr.Kügel: Man räumt ein wenig Abfall beiseite, schneidet einzelne Bereiche etwas freier, die zu schattig geworden waren, aber gegen Mittag konzentriert sich doch alles auf das Anschüren zweier Gartengrills, auf denen bald Bratwürste und Schnitzel brutzeln, die sich jeder selber mitgebracht hat. Im Freien bei Sonne zusammenzusitzen, auf Feldstühlen an der Hütte, gibt wohl für die gelegentlichen Spaziergänger und Radfahrer ein beneidenswertes Bild ab. Die gemütlichen Esser empfinden richtige Irrhainfreude; Frau Köstler und Herr Weingärtner sind, witzeerzählend, in Hochform. Dazwischen montieren einige die Gedenktafeln für Herrn Hirschmann und Herrn Geiger ab, denn ein Fachmann, Herr Franz Weiß vom Straßenbauamt Biberach, hatte zu bedenken gegeben, daß die Blechbänder, mit denen die Tafeln um die Bäume herum befestigt waren, bis tief ins Innere das Wachstum beeinflussen und zu einem Bruch an ebendiesen Stellen führen könnten. Und wirklich sind die Bänder nur noch schwer zu lösen, da sie in etwas mehr als zwei Jahren bereits leicht eingewachsen waren. Die Tafeln werden dann mit großen Schrauben, die ohne weiteres durch die …sen in die Bäume gebohrt werden, wieder aufgehängt. Nur wird man in Zukunft jedes Jahr die Schrauben ein oder zwei Gänge herausdrehen müssen, weil sie sonst gleichsam hineingezogen werden. Bei der Schraube, die Herrn Malters Tafel hält, ist das leider schon der Fall: sie läßt sich nicht mehr lösen und wird irgendwann durch die Tafel gezogen werden, wodurch diese herunterfallen wird. Weiteren Kummer bereiten die dämlichen Aufschriften, die an denselben Stellen wieder angebracht worden sind.

Montag, 9.September 2002, Schloß Neunhof, 15.30 Uhr

Neunhofer Schloßfest

Dr. Kügel vertritt in Begleitung seiner Frau wieder einmal den Orden bei dem Empfang, den die Erbengemeinschaft des Schlosses Neunhof anläßlich des Kirchweihausklangsalljährlich gibt, und bringt die Nachbarschaft des Irrhains zu Neunhof in Erinnerung. Er wird von Herrn Rechtsreferenten Frommer dem neuen Zweiten Bürgermeister Förther vorgestellt.

 

Freitag, 13. September 2002, Heidenheim im Hahnenkamm

Oratorium

Das Oratorium zum Leben der Heiligen Walburgis, dessen Text Dr. Knodt verfaßt und unlängst beim Lesungsabend vorgestellt hat, wird zur 1250-Jahr-Feier der Stadt, in dem sie ihr Kloster gründete, nämlich Heidenheim im Hahnenkamm, abends im Münster uraufgeführt. Unter den Pegnesen, die zu diesem Ereignis fahren, ist auch eine Vierergruppe im Kügel'schen Auto, die vorher in Kalbensteinberg Zwischenhalt einlegt und sich vom Pfarrherrn des schmucken, wie in der Zeit stehengebliebenen Ortes die Rieter'sche Kirche und Krypta erklären läßt. Großen Dank an den überaus kenntnisreichen und zuvorkommenden Herrn Pfarrer! Das Oratorium nimmt ab 20.00Uhr bei vollbesetzter Kirche seinen feierlich-ausdrucksvollen, gleichsam in Brokat schreitenden Verlauf. Sehr beeindruckt fährt man nach Nürnberg zurück.

Samstag,21. September 2002, Treffpunkt: 8.15 Uhr, U-Bahn-Endhaltestelle Langwasser

Herbstfahrt

Was zu Beginn wie ein katastrophales Mißgeschick aussieht, erweist sich als Vorteil: Der Busunternehmer hat uns vergessen. Da überhaupt nur ein knappes dutzend Teilnehmer erschienen sind, sparen wir die vierhundertsoundsoviel Euro und unternehmen unsere Fahrt ,indem wir uns auf die drei Privatautos verteilen, mit denen einzelne zum Treffpunkt gekommen waren. Vom Wetter begünstigt und von schönen und aufschlußreichen Führungen des Ehepaars Schultheiß begeistert, erleben wir Ellwangen, Schönenberg, ein römisches Limestor und Dinkelsbühl als lohnenswerte Ausflugsziele, zu denen auf eigene Hand zurückzukehren sich jeder vornimmt. Es bleibt zu überlegen, ob nicht in Zukunft die Herbstfahrten, wenn der Kreis schon so intim ist, immer auf diese Weise durchgeführt werden sollen.

 

Dienstag, 24. September 2002, 19.30 Uhr, Hinterzimmer des Künstlerhauses

Lesungsabend

Auch dieser Abend ist eine Vorstellung der schriftstellerischen Tätigkeit von Mitgliedern. Ewald Arenz liest aus seinem unlängst mit sehr gutem Presseecho veröffentlichten Roman "Der Teezauberer" und bezaubert durch sprachliche Eleganz und hell Grundstimmung des Erzählers einer im Grunde ebenso melancholischen wie phantastischen Geschichte; Ingeborg Höverkamp bietet Ausschnitte aus ihrem bereits vor einem Jahr veröffentlichten Roman "Zähl nicht, was bitter war", Ausschnitte, die das Gefühlsspektrum zwischenmenschlichem Leid der Angehörigen eines im Krieg Gefallenen und verschmitzt humorvollen Nachkriegserlebnissen in kleinbürgerlichem Umfeld abgreifen; Hans Recknagel bringt Ausschnitte aus seiner neuerschienenen umfassenden Geschichte Altdorfs, und zwar Textstellen, die mit dem Blumenorden zu tun haben. Unter den 12 Zuhörern ist auch Manfred Schwab, der Schriftsteller und ehemalige Vorsitzende des VS in Nürnberg, und er gibt zu erkennen, daß er die Textpassagen aus dem "Pegnesischen Schäfergedicht" von 1644, die mit der Situation gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges zu tun haben, für sehr gute Literatur hält.

Montag, 30. September 2002

Anstreicharbeit im Irrhain

Nachdem die erwähnten Schmierereien im Irrhain vom Junior der Firma Besold für ein Trinkgeld erneut abgeschmirgelt worden waren, hatte sich Dr. Kügel eine geeignete Holzfarbe empfehlen lassen (deckend, aber nicht atmungsdicht, waldgrün). Er überstreicht die Stellen, die nun schon etwas die Abtragung verraten, außerdem die läppischen schwarzen Herzchen auf den Fensterläden, die übersehen worden waren. Es scheint, als käme man mithilfe der Farbe auch ohne abtragende Behandlung aus, falls es wieder nötig sein sollte; Teile der Hütte sind allerdings nun grün.

 

Mittwoch, 2. Oktober 2002, 11.00 Uhr, Irrhain

Gäste in der Hütte

Die Redaktion der Obdachlosenzeitschrift "Straßenkreuzer" hat vor geraumer Frist um einen Termin im Irrhain gebeten und ist darum zu einer Redaktionssitzung in der Hütte zu Gast. Außerdem gibt Dr. Kügel noch auf Wunsch einige Auskünfte zum Blumenorden im allgemeinen und zum Irrhain im besonderen.

Mittwoch, 9. Oktober 2002, 19.30 Uhr, Caritas-Pirckheimer-Haus

Videoabend

Mario Reubel hatte in bewährter Weise wesentliche Ereignisse im Blumenorden mit der Videokamera aufgezeichnet, und da nun wieder Material über zwei Jahre zusammengekommen ist, haben er und Dr.Kügel auf dessen Rechner zwei 45-Minuten-Filme daraus geschnitten, die mit dem Videoprojektor vorgeführt werden. Die etwa 15 Zuschauer, darunter drei oder vier Nichtmitglieder, nehmen die Erinnerungen beifällig und zeitweise sehr erfreut auf. Als Höhepunkte werden bei dieser Form der Darbietung immer die Geschehnisse im Irrhain empfunden. Weil eine Mitgliederversammlung vorher abgehalten werden mußte, um Formfehler der Beschlüsse über die Satzungsneufassung zu beheben, ist die Anwesenheitsliste zusammen mit der Niederschrift an das Registergericht gegangen; daher die ungefähren Angaben. Wer glaubt, daß mit dieser Sitzung der Abschluß unserer Bemühungen um die Satzung erreicht wurde, täuscht sich.

 

Dienstag, 22. Oktober 2002, 19.30 Uhr, Galerie Kunz, Adam-Kraft-Straße 54

Experimente zur Synästhesie

Die Malerin Anja Kunz, die manchmal unsere Veranstaltungen besucht hat, möchte sich darüber klar werden, in welcher Weise Musik und Farben von gewissen Menschen als zusammengehörig empfunden werden. Vorbereitet von einem Aufsatz, den sie für das Mitteilungsheft vom September beigesteuert hat, lädt sie den Blumenorden zu einer außerordentlichen Veranstaltung in ihre Galerie, und dazu erscheinen, die Gastgeber und deren Angehörige nicht gerechnet, 20 Personen, darunter 12 Nichtmitglieder. Es ist ein außerordentlicher Abend in mehrfacher Hinsicht: Für Erfrischungen und kleine Stärkungen ist reichlich gesorgt, die Bilder, die allenthalben in dem großen Atelier umherstehen und Ðhängen, sind sehenswert, und das Musikprogramm wird zum Teil von dem bekannten Komponisten Heinrich Hartl bestritten, der am Klavierklassische Stücke vorträgt und interpretiert sowie darüber improvisiert, zum Teil von zwei Musikern, die orientalische Instrumente spielen und ihre Stimmen mit der Obertontechnik auf die seltsamste Weise einsetzen. Anja Kunz selber versucht, die dazugehörigen optischen Eindrücke zu erläutern, doch sie leidet gerade an diesem Abend unter hohem Fieber, und die Zugehörigkeit stellt sich auf Nachfrage nicht als eine eindeutige heraus. So bleibt der Eindruck zwar anregend, aber irgendwie unvollständig.

Neuaufnahme zum 1. November 2002

Als Mitglied Nr. 1718 im Blumenordenbegrüßen wir Herrn Peter Löw.

 

Sonntag, 3. November 2002, 14.00 Uhr, Herrenstube im Stadtparkrestaurant

Preisverleihung

Ausgezeichnet werden drei Kollegiaten mit den folgenden Themen:

"Die Rhetorik der politischen Rede in dem Drama ,Dantons Tod' von Georg Büchner", Stefan Banz, Hans-Sachs-Gymnasium Nürnberg;

",Der bunte Garten' 1922 − 'Überall ist Lesezeit' 1992. Zwei Lesebücher im Vergleich", Verena Knoll, Gymnasium Höchstadt a. d. Aisch;

"Heinrich Manns Roman ,Der Untertan': Abrechnung mit der Welt der Wilhelminischen Ära", Barbara Wendlik, Gymnasium Hilpoltstein.

Ihre Betreuer und Eltern sind ebenfalls erschienen, und als Vertreter der Nürnberger Presse ist Herr von Draminski anwesend, dessen Kurzbericht mit Bild später tatsächlich veröffentlicht wird. Ministerialbeauftragter Dr. Hanschel würdigt das Verfahren und die damit verknüpften Ziele des Blumenordens, dann verlesen Dr. Hagen und Dr. Kügel die Lobreden (im ersten Falle sogar gereimt), und Herr Grieb überreicht die Urkunden und Geldgeschenke. Herr Direktor Herzog von der Stadtsparkasse, ohne den die je 300 € nicht aufgebracht hätten werden können, ist leider auf der "Consumenta"-Messe aufgehalten worden.

Mittwoch, 13. November 2002, 19.30 Uhr,Caritas-Pirckheimer-Haus

Vortragsveranstaltung

Prof. Dr. Alfred Holl, Linguist und Informatiker an der Georg-Simon-Ohm-Fachhochschule Nürnberg, spricht über "Analogie und Morphologie". Der Titel des Vortrags scheint diejenigen Besucher abgeschreckt zu haben, die den Unterhaltungswert unserer Veranstaltungen höher schätzen als den Ertrag, denn es sind nur 9 Personen anwesend, darunter der Referent, sein Diplomand und sein ehemaliger Diplomand Wolfgang Grasser, kein Unbekannter im Blumenorden, mit seiner Gemahlin. Was den Unterhaltungswert betrifft, wäre man aber auch nicht schlechter als sonst bedient.

"Analogie" von Wortformen ist eine beliebte Grundlage des Lernens. Das "Averbo" nennt man eine Sammlung aller Formen, die es von einem Wort gibt. Um Averbos für bisher unbekannte Wörter abzuleiten, braucht man ein "Paradigma", z.B. die Stammreihen indogermanischer Tätigkeitswörter. Der Lernende hat die Tendenz, zur Erleichterung auch noch die Stammreihen auf Musterstammreihen zureduzieren. Zu diesem Zweck schließt er von einer Beobachtung an der Morphologie des betreffenden Wortes auf Analogie der Formen. Man möchte die Besonderheit der Beugung schon am Infinitiv erkennen. Aber selbst das Erkennen der Stammreihe reicht nicht hin, die Abweichung in der 2. und 3.Person Einzahl zu ermitteln, wie an typischen Fehlern der Kindersprachedeutlich wird.

Wenn der Schluß auf Analogie so unsicher ist, bleibt zu erklären, warum er dennoch so beliebt ist. In der Menschheitsgeschichte hat es sich als unerlässliche Überlebensstrategie herausgestellt, Typbildung zu betreiben, um Situationen zu bewältigen, die man nicht vorher in allen Einzelheiten kennen kann. Jedes Erkenntnisobjekt hat viele Wesensmerkmale, nämlich solche, die der Mensch ihnen zuerkennt, unabhängig davon, welche Merkmale das Objekt aufgrund seiner Einbettung in die Umwelt an sich ausgebildet hat. Der Mensch sucht nun, diejenigen Merkmale sehr schnell zu erkennen, die er am notwendigsten braucht, um z.B. einer Gefahr zu entgehen. Man sollte besser nicht alle Merkmale, die wir gewöhnlich mit einem Löwen verbinden, vollständig erkannt haben, bevor man reißaus nimmt. Die Erkenntnisvorgänge werden vereinfacht zum Zuordnen eines Ganzen nach Erkennen eines wesentlichen Teils. Verhaltenspsychologisch betrachtet, ist es Gestaltwahrnehmung anhand eines Schlüsselmerkmals.

Diese tief veranlagte Verhaltensweise stößt bei Kippbildern und optischen Täuschungen an ihre Grenzen, aber auch in der Sprache. Es gibt im Deutschen 190 "starke Verben", davon befinden sich nur 21 in sogenannten "homogenen Gruppen", d.h. die Grundformen der zur Gruppe gehörigen Wörter enden, von rechts nach links gelesen, mit einer Anzahl übereinstimmende Laute (Nähe zum Reim), und man kann aufgrund des Paradigmas der Beugung völlig automatisch die Wortformen bilden, ohne Fehler zu begehen. 169 der starken Verben des Deutschen bilden jedoch inhomogene Gruppen, d.h. aufgrund von Aussprachemöglichkeiten, Kombinierbarkeit von Lauten u.dgl. gibt es Abweichungen vom Paradigma. In den romanischen Sprachen sind bis zu einem Viertel der entsprechenden Gruppen "unregelmäßiger Verben" homogen, im Englischen nur ein Zwanzigstel. Der Analogieschluß führt also dort besonders oft in die Irre. Als besonders bemerkenswert wird von einigen Zuhörern die Tatsache empfunden, daß neugebildete Verben immer regelmäßig sind und der Zahl der"starken Verben" im Deutschen nie mehr etwas hinzugefügt werden wird (außer vielleicht im Scherz: "Der Hund boll"). Aufgrund der Erfahrungen, die jeder mit falschen Analogieschlüssen macht, erscheint das auf den zweiten Blick allerdings nicht mehr verwunderlich.

 

Sonntag, 1. Dezember 2002, 14.00 Uhr, Weidenkellersaal im Stadtpark-Restaurant

Adventsfeier

14.00 Uhr: Begrüßung durch den Präses

Zur musikalischen Umrahmung dient in mehreren Abschnitten Franz Schuberts Streichquartett D-Dur op. posth., gespielt von Juliane Göldner-Kügel (1. Violine), Dr. Werner Kügel (2.Violine), Dr. Dieter Jäpel (Viola) und Lore Benker (Violoncello).

Prof. Dr. Heimo Ertl, der Leiter des CPH, erzählt aus der Geschichte dieses Hauses, erläutert seine Ziele und findet sehr verbindliche Worte über die Zusammenarbeit mit dem Blumenorden.

Dr. Bernhard Brons, der als Pfarrer von Kraftshof demnächst in den Ruhestand tritt, entwickelt Adventsgedanken anhand von Dias des "Englischen Grußes" von Veit Stoß. Die Anwesenden sind dankbar dafür, wie viel Neues sich über einscheinbar altbekanntes Werk und seine theologischen Grundlagen sagen läßt.

 

Freitag, 6. Dezember 2002, Johanniskirchhof

Beisetzung

Herr Dr. Siegfried Freiherr von Scheurl, der am 29. 11. 2002 im Alter von 87 Jahren entschlafen ist, wird unterzahlreicher Anteilnahme in seine Familiengrabstätte gebettet. Vom Blumenorden sind der Präses und ein Halbdutzend Mitglieder anwesend, Herr Grieb hat für einen Kranz gesorgt.

Der Verstorbene war Sohn des Ordenspräses Eberhard von Scheurl; er wurde selbst aufgenommen 1953. 1978 bis 1994 war er Vizepräses. Lange Jahre wirkte er als Organisator und Führer der kunsthistorischen Herbstfahrten des Ordens; er führte die von seinem Vater begonnene Tradition der Adventsfeier in seiner Eigenschaft als Theologe in der Art fort, daß er den zweiten, aus christlicher Anschauung erwachsenden Vortrag auf diesen Feiern hielt. Außerdem regte er die "Sprachbuden" der Jahre 1976 und 1988 an und war maßgeblich an der Durchführung dieser Fußgängerbefragungen zu verbesserungsbedürftigen Sätzen beteiligt. Er erhielt das Ehrenkreuz am 1. 12. 1978 und wurde zum Ehrenmitglied ernannt. Das Andenken an diesen gütigen Menschen wird im Orden nicht verlöschen.