Chronik 2004

Mittwoch, 14. Januar 2004, 19.30 Uhr,Caritas-Pirckheimer-Haus

Pegnesen lesen Heiteres

Der bekannte Mundartdichter Helmut Zöpfl ist dieses Jahr das Glanzlicht des Heiteren Abends. Die Anregung, ihn einzuladen, geht auf den Vorstand des "International Christian Leadership"-Kreises Nürnberg zurück, welcher sich an diesem Abend beteiligt, auch finanziell. Demgemäß sind 45 Personen erschienen, die sich über die geschickt aufgespießten Seltsamkeiten aus bayerischem Alltag und didaktischer Verstiegenheit im Schulbetrieb köstlich amüsieren. Anschließend sitzen mehrere Teilnehmer noch mit dem Vortragenden im Barfüßerkeller unter der Mauthalle zusammen.

Mittwoch,  28. Januar 2004, 19Uhr, Wirtschaftswiss. Fakultät, Findelgasse 9, Raum 2016r

Sitzung des Sprachpflegeausschusses

Unter dem vorläufigen Vorsitz von Dr. Kügel tagen sechs Personen. Als neuer Vorsitzender wird Herr Alfred Raab gewählt. Von den darauffolgenden Erörterungen bleibt hervorzuheben, daß man zwar einräumt, die deutsche Sprache sei bisher nie von mehr als einem geringen Bruchteil der Bevölkerung sehr gut verwendet worden, daß aber auch ein Verzicht auf jegliche Pflege in Schulen und …Öffentlichkeit ein weiteres Absinken zur Folge hätte. Die Anwesenden stimmen zu, daß die Sätze zur Reinhaltung der Sprache aus dem Protokoll vom 3. 12. 2003 der "Deutschen Sprachwelt" zur Veröffentlichung angeboten werden. Leider wird es nicht mehr möglich sein, an diesem Ort zusammenzukommen. Die nächste Sitzung wird in ein Gasthaus anberaumt.

Mittwoch, 11. Februar 2004, 19.30 Uhr, Caritas-Pirckheimer-Haus

Jahreshauptversammlung

Erschienen sind 9 Personen, den Vorsitz und, in Vertretung der erkrankten Frau Fink, das Amt des Schriftführers versieht Dr. Kügel.

Nach ordnungsgemäßer Erledigung der Formalien verliest Dr. Kügel den Jahresbericht 2003. Zwei Ergänzungen von Herrn Grieb und Herrn Reiß werden eingefügt. Es wird beschlossen, daß der Jahresbericht ins Internet gestellt und von Frau Köstler handschriftlich ins Ordensbuch eingetragen wird.

Herr Direktor Platzer gibt Aufschluß über die finanziellen Verhältnisse des Ordens. Die Buchhaltung ist zuvor außerdem von Herrn Thomas Wirkner überprüft worden. Die Einnahmen haben die Ausgaben geringfügig überschritten; damit ist eine Finanzierung der laufenden Tätigkeiten des Ordens sichergestellt. Herr Dr. Jäger stellt den Antrag auf Entlastung des Vorstandes. Diese wird bei Enthaltung der anwesenden Vorstandsmitglieder von allen übrigen Anwesenden gewährt.

Dr. Kügel berichtet in Vertretung des abgehaltenen Ordensrates für den Irrhain: Für Erhaltungsmaßnahmen im Irrhain hat die Zukunftsstiftung der Stadtsparkasse 10000 Euro zur Verfügung gestellt. Am 21. Januar hat im Hause des Irrhainpflegers, Herrn Weingärtner, eine Besprechung stattgefunden, an der außer ihm noch der Vizepräses, Herr Grieb, der Präses, Dr. Kügel, und der Schatzmeister, Herr Platzer, teilgenommen haben. Es wurde beschlossen, mit dem gestifteten Betrag zunächst die Tribüne vor der Naturbühne und die Steindenkmäler wieder herrichten zu lassen. Herr Platzer hat vorgeschlagen, aus den eigenen Mitteln des Blumenordens den Zaun an der Nordseite, der bereits wieder schadhaft geworden ist, zu einem Bretterzaun ausbauen zu lassen.

Außerdem werden noch weitere bevorstehende Aufgaben und Termine besprochen.

Montag, 16. Februar 2004, 15.30 Uhr

Begehung des Irrhaingeländes

Herr Grieb, Dr. Kügel und der Schlosser, Herr Lindner, verständigen sich an Ort und Stelle über Anbringung eines schmiedeisernen Tores nach Herrn Weingärtners Entwurf im Steinportal, die Aufstellung einer Informationstafel und die Errichtung eines inneren Tores.

Neuaufnahmen

Mit Wirkung vom 1. März wird als Mitglied 1721 aufgenommen: Herr Karl-Heinz Demuß.

Dienstag, 10. März 2004, 19.30 Uhr, Caritas-Pirckheimer-Haus

Vortrag

Erschienen sind 27 Personen. Dr. Ernst-Friedrich Schultheiß spricht unter dem Titel "Arcadia translocata" über Nürnbergs Zweitname "Noris" als Vermächtnis von Humanisten, Professoren und Pegnesen. Als langjährig und in vielfältiger Weise zur Erhellung historischer und kultureller Zusammenhänge Tätiger gelingt es ihm spielend, mit überraschenden Einzelheiten aufzuwarten, die jene Bezeichnung „Noris„ erst verständlich machen, wie etwa die Tatsache, daß Eobanus Hesse in seinem Encomion "Noriberga illustrata", 1532, diese Personifikation nicht ins metrische Schema paßte und daher verkürzt werden mußte. Die Informationen werden dankbar aufgenommen. Anschließend sitzen einige Pegnesen noch mit dem Referenten und seiner Gemahlin im Wirtshaus „Pilhofer„ zusammen.

Mittwoch, 17. März 2004, 19.00 Uhr, Bratwurst-Röslein„

Sitzung des Sprachpflegeausschusses

Unter dem Vorsitz von Herrn Raab tagen acht Personen in einem Seitenteil des Lokals, wo der Geräuschpegel allerdings ein gedeihliches Gespräch kaum zuläßt. Aus der Wochenendbeilage der NN und NZ vom 13. 3. werden mehrere sprachliche Ungeschicklichkeiten und Unrichtigkeiten herausgepflückt und besprochen. Am Ende bringt Frau Geiger die Möglichkeit zur Sprache, daß der Blumenorden sich an einer Schallarchivierung aussterbender Dialekte der Spätaussiedler im „Haus der Heimat„ beteiligt.

Samstag, 27. März 2004, 10 Uhr

Pfadfinderaktion im Irrhain

Mehrere Sippen und Wölflinge des Bundes "Weltenbummler" aus Nürnberg, Fürth und Eckental samt einigen ihrer Eltern kümmern sich wieder um Laubräumen und Entfernung von Bruchholz.

Mittwoch, 31. März 2004, GermanischesNationalmuseum

Am Rande der Ausstellungseröffnung

Nicht abgeschreckt vom Titel der Ausstellung „Anti-Aging für die Kunst„ begibt sich Dr. Kügel zur Eröffnung, wo er nicht nur den Tulpenpokal des Ordens samt Futteral als Beispiele guten Erhaltungszustands in einer Vitrine sieht, sondern auch dem Alt-OB Dr. Schönlein für dessen Mithilfe bei der Gewährung des Irrhain-Zuschusses danken kann und Herrn Dr. Slenska ein weiteres Mal für das Problem der Einlieferung und Verzettelung von Büchern in die Ordensbibliothek zu interessieren versucht, die sich ja in dessen Obhut befindet.

Gründonnerstag, 8. April 2004, 10 Uhr

Irrhainaktion

Herr Ippisch, Dr. Kügel, Herr Recknagel und Herr Weingärtner entfernen die Pflanzen auf einen Meter Abstand beiderseits des Stückes Drahtzaun, der demnächst durch einen Holzzaun ersetzt werden soll. Außerdem kappen sie einige zu lang gewachsene junge Bäumchen und räumen braune, vom dürren vorigen Sommer getötete Nadelbäumchen ab. Dr. Kügel übernimmt es, beschädigte Gedenktafeln zur Firma Böhm zur Ausbesserung zu bringen, Herr Weingärtner will sich wegen der Wiederherstellung unvollständiger Steindenkmäler nach einem Fachmann umsehen.

Mittwoch, 21. April 2004, 19.30 Uhr, Caritas-Pirckheimer-Haus

Vortrag

Dr. Bernhard Wickl hält einen Lichtbildervortrag mit 20 Dias zum Thema „Exodus Cantorum„, dem Gedichtzyklus Joseph Viktor von Scheffels über sehenswerte Ortschaften in Franken. Die Rahmenfiktion, die den Titel ergeben hat, handelt von einer Sängerfahrt Bamberger Scholaren des ausgehenden Mittelalters. Scheffels beliebtester Liedtext, eine Art inoffizieller Frankenhymne, gehört auch dazu und wird gemeinsam gesungen. Dieses "Wohlauf, die Luft geht frisch und rein" hatte auch mehrmals das Schema von Irrhainliedern abgegeben. Scheffels Leben allerdings, wie man erfährt, war trotz der Begünstigung durch einen Großherzog von Sachsen-Weimar nicht frei von quälenden Perioden der Schreibhemmung und Depression. Die 27 Zuhörer nehmen diese Auskünfte mit großem Beifall auf.

Mittwoch, 28. April 2004, Irrhain

Irrhainpflege

Dr. Kügel nützt seinen freien Tag, um an den Hecken herumzuschneiden. Es ergibt sich, daß er Herrn Oerterer trifft, einen der Besitzer des Nachbargrundstücks, wobei er ihn fragen kann, ob dieser von seinem Brunnen etwas Wasser abgäbe, wenn bei der Reparatur der Stufen der Naturtheatertribüne Zement angerührt werden muß. Das freundschaftliche Verhältnis wird durch Austausch von Adressen und Einladung zum Irrhainfest bekräftigt.

Dienstag, 4. Mai 2004, 16 Uhr, Flachsröststraße

Besprechung

Bei Herrn Platzer, dem Schatzmeister, treffen sich Herr Grieb, Dr. Kügel und Herr Weingärtner, der Irrhainpfleger, um die nächsten Schritte zur Neugestaltung des Irrhains zu besprechen. Herr Weingärtner hat unterdessen mit der Firma Merl endgültige Abrede getroffen wegen der Wiederherstellung der Tribüne und berichtet über seine Suche nach einem Steinmetzen wegen der Denkmäler. Herr Grieb hat eine Firma ausfindig gemacht, welche die Informationstafel fertigen kann; Dr. Kügel hat einen Entwurf für die Inschriften mitgebracht, der redaktionell überarbeitet wird. Unterschiedliche Gestaltungsmöglichkeiten des Zaunes an der Nordseite werden erörtert, und ein Holzzaun, wie von der Firma Besold vorgeschlagen, erhält wegen der Haltbarkeit und des geringen Wartungsaufwandes den Vorzug. Den Kostenvoranschlag von 10 000 Euro nennt Herr Platzer allerdings illusorisch, da aus Eigenmitteln nur 5000 Euro zurVerfügung stehen. Es wird beschlossen, nur die Hälfte des Weges, und zwar von der Waldspitze zum mittleren Nordtor, mit dem Zaun abzuschränken.

Mittwoch, 5. Mai 2004, 19.00 Uhr, Bildungszentrum, Saal 312

Sitzung des Sprachpflegeausschusses

Unter dem Vorsitz von Herrn Raab betrachten sechs Teilnehmer einen von ihm vorgelegten kurzen Mustersatz darauf hin, mit wievielen Kriterien grammatikalischer Art er beschreibbar ist. Das überraschende Ergebnis ist, daß diese vier Wörter unter 18 Gesichtpunkten beschrieben werden können.

Donnerstag, 6. Mai 2004, bis Samstag, 8. Mai 2004, Bingstraße

Symposium: "Harsdörffer und die Künste"

In der Akademie der Bildenden Künste findet ein internationales Wissenschaftlertreffen statt, dessen Teilnehmer zum Teil dieselben sind, die schon 1994 zum Barockforscherkongreß beigetragen haben. Im Vergleich zu damals sind die Erkenntnisse über diese Epoche Nürnberger Kulturlebens merklich gewachsen. Mehrere Pegnesen besuchen unterschiedliche Vorträge. Am Rande verhandelt Dr. Kügel mit einem Sponsor und den Künstlerinnen, die eine Wanddekoration in Gestalt eines Labyrinths verfertigt haben, ob diese zum Irrhainfest ausgeliehen werden könne. Am Samstag findet die geplante Exkursion der Teilnehmer in den Irrhain statt, wo Dr. Kügel eine dreiviertelstündige Führung abhält.

Mittwoch, 12. Mai 2004, 19.30 Uhr, Caritas-Pirckheimer-Haus

Vortrag

Dr. Peter von Erffa liest aus der Erzählung: "Selbstbiographie des Rappen Salamander" von seinem Urahn Ferdinand Frhr. von Erffa, der ein Mitglied des Blumenordens war. Sehr interessiert nehmen die 15 Hörer auch Auskünfte über das Leben dieses biedermeierlichen Militärs und Straßenbauministers auf. Anschließend sitzt man noch in der Gaststube des Hotels Deutscher Kaiser zusammen. Herr Dr. von Erffa und seine Frau Gemahlin erneuern ihre Einladung an den Blumenorden, die Herbstfahrt nach ihrem Landgut Ahorn zu unternehmen.

Donnerstag, 20. Mai 2004, 14.00 Uhr, Irrhain

Frühjahrsspaziergang im Irrhain

Der Förderkreis des Pfadfinderbundes "Weltenbummler", Bezirk Mittelfranken gestaltet einen Nachmittag mit Lagerleben und Vorführungen, Spielen, Geschicklichkeitsübungen, Liedern, Imbiß. Einen Schirmherrn hat das Festchen dieses Jahr nicht. Dafür lassen sich einige Pegnesen blicken. Die vom Wetter begünstigte Veranstaltung ist schon fast so schön wie ein Irrhainfest des Ordens.

Mittwoch, 26. Mai 2004, Irrhain

Irrhainpflege

Die beiden heruntergefallenen Gedenktafeln sind wieder repariert und werden von Dr. Kügel abgeholt und in den Irrhain verbracht. Dort trifft er eine Gruppe von Waldarbeitern unter der Führung von Herrn Heißig von der Waldarbeitsschule Buchenbühl an, der gerade einige botanische Besonderheiten erläutert. Eine kurze Erläuterung der Geschichte des Irrhains unter der Obhut des Blumenordens ist da auch willkommen. Dem Wunsch, den ausgewurzelten Baum am langen Gang zu entfernen, bevor er aus dem Halt durch die Krone seines Nachbarn herausstürzt, kann Herr Heißig vorerst nicht entsprechen. Dr. Kügel dokumentiert sodann photographisch den Anblick der in den letzten Tagen erneuerten Stufen der Zuschauertribüne und den Zustand der Teile des Irrhains, die noch auf Überarbeitung warten.

Neuaufnahmen

Mit Wirkung vom 1. Juni werden als Mitglieder 1722 bis 1725 aufgenommen: Herr Dipl.-Ing. Wolfgang Grasser, Herr Thomas Paulwitz M.A., Herr StD i.R. Alfred Raab und Frau Dr. Ingeborg Stein.

Dienstag, 8. Juni 2004, Irrhain

Beginn der Arbeiten am Zaun

Die Mitarbeiter der Firma Besold aus Neunhof stecken den Verlauf des neuen Zaunes ab und spannen eine Richtschnur. Nachdem sie Feierabend gemacht haben, löst ein besonders gedankenloser Rüpel diese Schnur und spannt sie quer über den Fahrweg nördlich des Irrhains. In der Dämmerung verletzt sich daran ein Fahrradfahrer, zum Glück nicht erheblich. Polizeiliche Untersuchungen werden eingeleitet, die aber zu keinem Ergebnis führen.

Am nächsten Tag sieht man schon Pfosten und erste Latten, und am 15. Juni ist der Zaun fertig.

Mittwoch, 16. Juni 2004, 15.30 Uhr bis 17.00 Uhr

Führung in der Lorenzkirche mit Gedichten aus 7 Jahrhunderten

Frau Marie-Louise Meyer-Harries springt für den dienstlich verhinderten Prof. Dr. Antos ein und gestaltet eine Kirchenführung, deren besonderer Reiz darin besteht, daß sie auswendig ein Dutzend Gedichte rezitiert, von Walter von der Vogelweide bis Rilke, die zu gewissen architektonischen und bildnerischen Zügen der Kirche passen, und dazu noch Deutungen gibt. Leider sind nur acht Zuhörer erschienen, diese aber sind begeistert.

Mittwoch, 30. Juni 2004, 9.30 Uhr, Irrhain

Weitere Ausbauten

Herr Grieb und Herr Weingärtner haben sich eingefunden, um den Fortgang der Arbeiten zu sehen, die von Meister Lindners Leuten an diesem Tage getan werden: Anbringen des eisernen Torflügels, Aufstellung der Informationstafel, Errichtung eines Rosenbogens mit dem Täfelchen „Irret nicht!„, das dankenswerterweise vom Vater unseres Mitglieds Michael Metzner, Herrn Christian Metzner, in Frakturbuchstaben beschriftet worden ist. Dr. Kügel kommt dazu und macht Photos. Mit Herrn Grieb bringt er die beiden Gedenktafeln wieder an, wobei sie mit Draht so um die Bäume verspannt werden, daß der Wind sie nicht mehr zum Schaukeln bringen kann. Herr Weingärtner kauft vier neue Pavillonzelte -- zwei davon stiftet dem Blumenorden seine Frau, Sedika Weingärtner --, und er nimmt die alten Zelte zur Beseitigung mit.

Samstag, 3. Juli 2004, 10.00 Uhr, Irrhain

Aufräumen im Irrhain

Es gibt nicht mehr besonders viel Säuberungsarbeit zu tun; Feinarbeit mit der Gartenschere leistet Herr Matthaei, andere Helfer bemühen sich, vier übriggebliebene Pfosten des alten Zaunes am Hintergrund der Naturbühne so einzurammen, daß daran die Labyrinth-Platten angebracht werden können.

Sonntag, 4. Juli 2004, Irrhain

Irrhainfest

Florian Heinebrodt, einer der Pfadfinder, und Dr. Kügel holen um acht Uhr einen gemieteten Kleinlaster von der Firma Mentzel in Wöhrd ab und fahren zum Schauraum der Immobilienfirma KochInvest in der Bucher Straße, wo sie die über drei Meter hohen und sechs Meter breiten, labyrinthisch ausgesägten Holzplatten abbauen, zerlegen und auf den Transporter laden. Um zehn Uhr warten im Irrhain schon Herr Ebner, Herr Reiß und Herr Wirkner, um die Teile in Empfang zu nehmen und aufzubauen. Der Aufbau gelingt gerade so, daß kein starker Wind aufkommen oder jemand hinstoßen dürfte. Dann werden die Pavillonzelte errichtet. In der Mittagspause schreibt Dr. Kügel noch seine Verslein zum Umtrunk nach barockem Summationsschema.

14.00 Uhr: Ideales Festwetter. Begrüßung an der Naturbühne. Der weiße Bühnenhintergrund macht sich vor grünem Laub viel besser als an der Wand beim Harsdörfer-Symposium. Sabine Bouet und Andrea Würstl, die beiden Akademiestudentinnen, die das Labyrinth ersonnen und ausgeführt haben, werden auch gebührend hervorgehoben. Daraufhin bietet die Hans-Sachs-Spielgruppe Nürnberg "Die listige Buhlerin" von Hans Sachs. Die Rolle des Ritters Landolph, den Herr Woitas spielen sollte, wird, da er sich bei einem Sturz verletzt hat, von Herrn Breinbauer sehr überzeugend ausgefüllt. Die Zuschauer erfreuen sich an der Dreistigkeit der Handlung und der gekonnten Darstellung. Um 14.45 Uhr schließt sich daran der Umgang, um 15.15 Uhr Imbiß und traditioneller Umtrunk. Herr Dr. Everding von der Zukunftsstiftung der Stadtsparkasse ist anwesend und wird für die Presse photographiert, wie er Herrn Platzer einen symbolischen, überdimensionalen Scheck überreicht. Auch Herr Dr. Gesing, Verfasser sehr erfolgreicher historischer Romane, ist anwesend und erhält einen Schluck aus dem Pokal. Bedauerlicherweise vergißt der Präses nach soundsoviel Aufrufen zum Umtrunk, auch dem Festwirt, Herrn Konrad Bösl, den Pokal zu reichen. Das wird noch wiedergutzumachen sein. Die „Vacher Spielleut„ erfreuen wieder mit Tanzmelodien aus Renaissance-Notenbüchern. Nach siebzehn Uhr wandern die etwa 70 Besucher allmählich ab.

Um 18 Uhr erscheint Florian Heinebrodt wieder mit dem Transporter. Er hilft beim Zelt- und Labyrinth-Abbau, dann schaffen er und Dr.Kügel die weißen Holzteile wieder zu dem bewußten Schauraum und bauen sie dort wieder auf.

Mittwoch, 7. Juli 2004

Trauerfall

Unfaßbarerweise verstirbt im Alter von 64 Jahren Herr Peter Woitas, Mitglied Nr. 1694, an der Folge seines Sturzes, einer Gehirnblutung. Da der Präses wegen Prüfungen zum Zeitpunkt der Beisetzung verhindert ist, nimmt Herr Grieb daran teil und legt im Namen des Ordens einen Kranz nieder. Herr Woitas war 1940 in Breslau geboren, beruflich anfangs Technischer Zeichner, dann im Dienste des Postwesens tätig. Er war bis zu seiner Aufnahme dem Blumenorden seit langem kein Unbekannter mehr gewesen, denn er hatte seit 17 Jahren in vielen Irrhainspielen mitgewirkt. Seine schauspielerische Tätigkeit übte er meist in der Hans-Sachs-Spielgruppe aus; dort war er auch unserem vormaligen Schriftführer, Herrn Fuchs, begegnet. Er wurde aufgenommen am 1.Juni 1998. Sein Andenken soll nicht nur in mehreren Videoaufnahmen bewahrt bleiben.

Montag, 12. Juli 2004, 19.30 Uhr, Hinterzimmer des Künstlerhauses

Lesungsabend

12 Personen insgesamt finden sich zusammen zu einer Veranstaltung, die den gesamten Orden angegangen wäre.

Frau Ingeborg Höverkamp berichtet über das Eichendorff-Konversatorium [kein Druckfehler!] in Oppeln. Sie hatte Professor Kühnemann in Rahmen der Europatage zu Dresden 2003 kennengelernt und war von ihm dorthin empfohlen worden. Auf der Grundlage des Vertrags zwischen Polen und der BRD war das Haus 1989 gegründet worden. Die Namensgebung ist Ausdruck einer Identitätssuche deutschsprachiger Kultur innerhalb Polens. Die polykulturellen Verhältnisse Polens werden fruchtbar für Begegnungen; der Verdacht der Germanisierung wurde überwunden durch polnische Historiker.

Der Literaturwissenschaftler und Lyriker Klaus-Dieter Schlüer liest aus seinen erfolgreichen Gedichtbänden und bemerkt erfreut, daß er sachverständige Zwischenbemerkungen erntet. Er geht davon aus, daß verdichtetes Sprechen zeigen kann, was in unserem normalen Sprechen an Möglichkeiten steckt. Er liebt auch Haiku, aus dem Grund, daß Gedichte ohnehin mit Silben, nicht so sehr mit Worten, arbeiten. Aus seiner Verehrung Brechts trägt er den Grundsatz davon, daß der Hörer erstaunen solle. Dabei hat er keine Bedenken, dem Leser oder Hörer die Interpretation frei zu lassen. Er selber geht an die Bildlichkeit seiner Gedichte im Sinne einer Lichttheologie heran.

Montag, 30. August 2004, Lenbachstraße, 19.00 Uhr

Sitzung des Sprachpflegeausschusses

In der Wohnung des Präses kommen sieben Personen zusammen, um unter dem Vorsitz des Herrn Raab über die Verbesserungswünsche des Blumenordens zur Rechtschreibreform zu beraten. Ausgangspunkt ist der Entschluß mehrerer Zeitungs- und Zeitschriftenverlage, zur alten Schreibung zurückzukehren. Herr Paulwitz referiert über die Vorgänge. Einigkeit besteht, daß die deutsche Sprache ihre Unterscheidungsmöglichkeiten behalten soll. Dies führt zur Besprechung der Getrennt- und Zusammenschreibung. Es ist der Wunsch dieses Ausschusses, die Schreibung in möglichster Variation zu erhalten, um je nach Ausdruckswillen des Schreibenden eine sinntragende Gestaltung zu erlauben. Zur Schreibung der Fremdwörter nennt Dr. Jäger die Regel: keine Änderung bei Fremdwörtern aus lebenden Sprachen; solche aus toten Sprachen erleiden Vereinfachungen. Das Nähere regelt eine Wörterliste. Dies ist einem Handbuch der Nachrichtenagenturen vom 1. 8. 1999 entnommen. Weitere Gesichtspunkte führen noch nicht zur Einigung auf eine bestimmte Linie.

Freitag, 3. September 2004, Irrhain

Irrhainpflege und Grillen

Die Auslichtung bestimmter Bereiche zwischen Wegen ist der praktische Zweck, zu dem sich Dr. Fink und Gemahlin, Frau Köstler, Dr. Kügel und Herr Weingärtner zusammenfinden. Aber sie haben auch Grillgut mitgebracht, das ab Mittag in aller Ruhe auf Holzkohlen zubereitet und vor der Hütte verspeist wird. Abends bleibt Dr. Kügel noch länger: Er will ausprobieren, ob man in der Hütte auch übernachten kann. Die eine Stechmücke spricht noch nicht dagegen, auch nicht das Heulen des Nachbarhundes, noch weniger die artigen Schreie zweier Käuzchen, aber leider der Lärm von der 400 m entfernten Autobahn, die bei Windstille, wenn die Bäume nicht durch ihr Rauschen die tobenden Geräusche der Lastwagen und Motorräder überdecken, bis in den Morgen jeden Schlaf raubt.

Samstag, 11. September 2004, Treffpunkt: 8.15 Uhr, Endhaltestelle Thon

Herbstfahrt

19 Personen werden auf 5 Autos verteilt, und dann fährt man durch leichten Nieselregen unabhängig voneinander die erste Station an: Coburg,wo die Besichtigung der Ehrenburg auf dem Programm steht. Das neogotische Äußere täuscht: Die Räume sind in Stilepochen von Renaissance bis Klassizismus eingerichtet worden und der europäischen Bedeutung des hiesigen Fürstengeschlechts durchaus angemessen. Zum Mittagsmahl sucht man, bei bereits sonnigem Wetter, die Ratsstuben auf, von Herrn Grieb auf einer Fahrt mit seinem Bruder die Woche zuvor trefflich herausgesucht. Um 14.00 Uhr findet man sich in Neuses zusammen, das heute ein Vorort Coburgs ist, um Friedrich Rückerts Landsitz zu besichtigen. Das Haus, mit formal gestaltetem Garten und Nebengebäuden einem Schlößchen gleich, ist in den letzten Jahren liebevoll restauriert worden und hegt viele Erinnerungsstücke. Frau Schaedel trägt im Garten noch ein Rückert-Gedicht vor, dann geht die Fahrt einige Kilometer weiter nach Ahorn. Von 15.15 Uhr an führt Herr Dr. von Erffa eine Stunde lang in Schloß, Kirche und Garten, und die Besucher sind sehr beeindruckt, vor allem von der Ahnengalerie und dem Grabmal in der Kirche. Anschließend sind wir noch im Landhaus der Familie von Erffa in Wüstenahorn zum Tee geladen, und nach vielfältigen Gesprächen machen sich die Pegnesen ziemlich gleichzeitig mit ihren Autos wieder auf den Heimweg.

Montag, 13. September 2004, 15.00 Uhr

Neunhofer Schloßfest

Dr. Kügel vertritt den Orden bei dem Empfang, den die Erbengemeinschaft des Schlosses Neunhof anläßlich des Kirchweihausklangs alljährlich gibt.

Freitag, 17. September 2004, Lenbachstraße

Sprechprobe

Um 20.00 Uhr treffen sieben Personen in den Übungsräumen des Herrn Reiß zusammen: er selbst, sein Sohn Olaf Ostertag, Herr Ebner, Herr Paulwitz, Herr Weingärtner, Dr. Kügel und Herr Christian Metzner. Dieser ist für seinen Sohn eingesprungen, der seiner Frau in einer gesundheitlichen Krise beistehen muß. Geprobt wird der Text, den Dr. Kügel aus zwei Protokollen und etlichen Briefen der Jahre 1786/87 zusammengestellt hat. Frau Christiane Kussin, die Geschäftsführerin der Arbeitsgemeinschaft Literarischer Gesellschaften und Gedenkstätten (ALG), hatte im April angeregt, zum Thema„ "Dichterfreundschaften" oder „"Dichtergesellschaften", das auf der diesjährigen ALG-Tagung im Gleim-Haus zu Halberstadt im Mittelpunkt steht, auch etwas aus dem Blumenorden vorzustellen, wenn möglich in szenischer Art. Daraus ist das Projekt der szenischen Lesung einer "„Stürmischen Sitzung im Blumenorden" entstanden. Diese Leseprobe ist die erste, und demgemäß geht sie nur einigermaßen gut vonstatten.

Samstag, 18. September 2004, Halberstadt

Anfahrt und Aufführung

Um acht Uhr geht der vollbesetzte Bus auf Fahrt durch Dauerregen und Mittelgebirge. Bei aufklarendem Wetter wird in einer Ortschaft vor Quedlinburg Mittagsrast eingelegt und nach der Mahlzeit die Hauptprobe gehalten. Das geht schon lebendiger und exakter. Zeitig gegen 15 Uhr kommen wir in Halberstadt an, machen uns im Getümmel der vielen Teilnehmer bemerkbar, erhalten einen Tisch und Stühle auf die Bühne nach unseren Wünschen und können um 16 Uhr unseren Text aufführen. Angeregt von Lachern aus dem Publikum, die an den richtigen Stellen kommen, ringt sich die Darstellung richtig frei und wird überzeugend zum Abschluß geführt. Langer und verdienter Applaus tut wohl.

Nach weiteren gespielten Dialogen über gemeinsame Romanprojekte der Berliner Romantiker, die von einer anderen Mitgliedsgesellschaft geboten werden, und nach kurzem Imbiß in einem überfüllten italienischen Restaurant suchen wir unser Quartier in einem großen, neuerrichteten Schulungszentrum am südlichen Stadtrand auf, das aber zunächst kaum zu finden ist. Zu einer sehr bemerkenswerten szenischen Lesung aus Gleims Briefwechsel durch authentisch kostümierte Schauspieler kehren einige in die Tagungsräume zurück, doch der weitere Abend gehört der Erholung. Da die Gegend des Nachtquartiers keine Lokale aufweist, milde Luft unter klarem Sternenhimmel aber das Trinken einzeln erhältlicher Bierflaschen im Freien erlaubt, ergibt sich noch eine gemütliche Plauderrunde.

Sonntag, 19. September 2004, Halberstadt

Gutes Wetter und ein sehenswerter Stadtkern laden zum Bummeln ein, doch pünktlich zur Hauptversammlung sind einige Pegnesen im Gleim-Haus. Ursprünglich hätte Frau von Eyb vorgehabt, den Orden auf dieser Versammlung zu vertreten, doch sie ist leider krankheitshalber verhindert. Auf die bei einer passenden Wendung der Debatten erhobene Frage, ob Wiederherstellungsarbeiten am Irrhain auch förderungswürdig seien, erfolgt keine eindeutige Antwort (gerade Frau Kussin scheint dagegen zu sein), doch wird auf alle Fälle angeraten, ruhig einmal einen Antrag zu stellen, wenn es soweit ist. Die Rückfahrt gestaltet sich trotz Wettereintrübung unkompliziert.

Montag, 20. September 2004, 19.30 Uhr, Hinterzimmer des Künstlerhauses

Lesungsabend

9 Personen sind anwesend, als Karl-Heiz Demuß aus der Erzählung "Nach Christie" vorliest -- einer künstlich verschlungenen, phantastischen Handlung mit zugespitzten Dialogen. Dann stellt Renate Jürgensen ihr "Repertorium bio-bibliographicum zur Geschichte des Pegensischen Blumenordens 1644-1744" vor, eine Neubearbeitung der Ordensgeschichte Johann Herdegens auf der Basis jahrelanger Sucharbeit in Bibliotheken und Archiven in- und außerhalb Nürnbergs. Das Buch enthält Kurzbiographien und Werkverzeichnisse der Mitglieder der ersten hundert Jahre einschließlich aller gedruckten und handschriftlich überlieferten Kasualschriften sowie eine chronologische Zusammenstellung aller von den Gesellschaftsmitgliedern gemeinsam verfaßten Schriften. Sichtbar wird die überregionale Ausstrahlung der Pegnesendichtung. Der Blumenorden bot schon in seiner ersten Blütezeit sehr unterschiedlichen Talenten eine Heimstatt.

Neuaufnahmen

Mit Wirkung vom 1.Oktober werden als Mitglieder 1726 und 1727 aufgenommen: Frau Dr. Doris Gerstl und Frau Prof. Dr. Mara Wade.

Mittwoch, 8. Oktober 2003, 19.30 Uhr, Caritas-Pirckheimer-Haus

Vortrag

Leider nur 9 Personen sind anwesend, als Dr. Detlef Gojowy einen Vortrag über Deutsch-russische Musikbeziehungen hält, darunter allerdings etliche in musikalischer Hinsicht aufgeschlossene, die den hohen Sachverstand des Referenten würdigen können, und Godehard Schramm als Slawist, der den landeskundlich-kulturellen Hintergrund besonders einzuschätzen weiß. Von Glinka bis Skrjabin und Neutönern wie Golischeff reichen die Beispiele, die sogar mittels CDs hörbar dargestellt werden. Schließlich stellt sich heraus, daß Dr.Gojowy nicht nur Musikwissenschaftler und Germanist, sondern auch Schriftsteller und im Freien Deutschen Autorenverband tätig ist.

Mittwoch, 25. Oktober 2004, 19.30 Uhr, Lenbachstraße

Sitzung des Sprachausschusses

Sieben Teilnehmer aus dem Orden und Herr StD Horst Göbbel als kurz auftretender Gast widmen sich zuerst den Durchführungsmodalitäten einer Dialektaufzeichnung, dann geht der Rest der Runde unter dem Vorsitz von Herrn Raab wieder zur Erörterung der Rechtschreibreform über. Die große Hoffnung des Blumenordens im einzusetzenden Sprachrat ist der ehemalige Kultusminister Hans Zehetmair, der bereits für sein Eintreten gegen die Umgehung des Deutschunterrichtes in der Kollegstufe und gegen die Eindeutschung von Wörtern aus den alten Sprachen das Ehrenkreuz des Ordens erhalten hat. Herr Stössel meint, jeder werde sich aus den Reformvorschlägen herausnehmen, was er für eine Verbesserung seiner individuellen Schreibweise hält, und das Ergebnis sei Chaos. Der Ausschuß verständigt sich zu der Aussage: Der DUDEN ist eine Richtgröße für diejenigen, die sich über die Wirkungsweise ihres schriftlichen Sprachgebrauchs noch nicht hinlänglich aufgeklärt haben.

Mittwoch, 10. November 2004, 19.30 Uhr, Caritas-Pirckheimer-Haus

Vortrag

Diesmal sind zum Vortrag Prof. Dr. Hartmut Bobzins über die Unübersetzbarkeit des Koran immerhin 17 Personen gekommen. Die in Übersetzung unerreichbare Wirkung des arabischen, wohllautenden Urtextes, der schon deshalb für Muslime das höchste Kulturgut darstellt, hält nicht ab, sondern regt Orientalisten von Hammer-Purgstall über Rückert bis zu Bobzin selbst immer wieder von neuem an, in lyrischen Nachdichtungen wenigstens für Deutsche annähernd nachzuschaffen, was ohne Kommentar kaum begreiflich ist. Zur Anordnung, historischen Bedingtheit und unterschiedlichen Struktur der 114 Suren hat der Referent Aufhellendes die Menge mitzuteilen, allerdings sitzen zwei Anhänger der Baha'i-Religion im Saal, die versuchen, ihre Deutungen bei dieser Gelegenheit anzubringen. Souverän und freundlich wehrt Prof. Bobzin das ab, und der Abend kann uneingeschränkt als aufschlußreich und gelungen bezeichnet werden.

Samstag, 20. November 2004, Germanisches Nationalmuseum

Versammlung der Leihgeber des GNM

Der Vizepräses, Herr Grieb, vertritt den Blumenorden auf der alljährlichen Zusammenkunft der Leihgeber. Er fragt, was das GNM davon abhalte, ein Muß für Nürnbergbesucher wie in Paris der Louvre zu werden, und ob man die Zusammenarbeit mit den Universitäten nicht erweitern könne.

Mittwoch, 22.November 2004, 19.00 Uhr, Lenbachstraße

Sitzung des Sprachausschusses

Nur vier Personen sind erschienen, sieben haben sich entschuldigt. Die Erörterung kreist um Eindeutschung von Fremdwörtern zu Lehnwörtern. Möglich erscheint die Unterscheidung zwischen potentiellen und voll ausgebildeten Lehnwörtern. Die letzteren entsprächen zwei formalen Bedingungen: Sie haben eine andere Aussprache als in der Ursprungssprache, und sie haben sich der deutschen Konjugation bzw. Deklination angepaßt. Einer Eindeutschung der Aussprache stehen alle Anwesenden aufgeschlossen gegenüber, schon darum, weil man sonst während des Sprechens fortwährend die Artikulationsbasis der Sprechwerkzeuge umstellen müßte, was manieriert herauskommt. Wenn Eindeutschungen zu schnell vor sich gehen, fällt ein wichtiger Qualitätsfilter weg -- Qualität ist hier im Sinne der Anwendbarkeit zu verstehen --, und es gibt zu viele schlechte Lehnwörter. Zum Problem der etymologischen Schreibung wird für diesesmal lediglich geäußert, daß sie nicht herbeigezwungen werden sollte. Sie findet einfach statt -- leider auch in der Form der Volksetymogelei.

Freitag, 19. November 2004, ab 16 Uhr, Melanchthon-Gymnasium

Stiftungsfest der „Castalia„

Herr Dr. Johannes Willers vom Germanischen Museum hat sich an einige Ausflüge der literarischen Schülerverbindung „Castalia„ in den Irrhain erinnert und daher anläßlich des 150jährigen Stiftungsfestes Verbindung mit Dr. Kügel wegen eines Grußwortes aufgenommen. Nach einem ergreifenden Totengedenken in der Vorhalle des Gymnasiums begibt man sich in den Raum im obersten Geschoß, dessen hierher verbrachte barocke Stuckdecke den Kriegszerstörungen entgangen ist, und einige Redner, darunter auch Dr. Kügel, lassen die jahrhundertelangen ernsthaften Bemühungen der gebildeten Schichten Nürnbergs um literarische Kultur, Erschließung und Weitergabe von Wissen sowie eigene schöpferische Tätigkeit, in ihren Beiträgen deutlich werden.

Sonntag, 28. November 2003, 14 Uhr, Kaiser-Maximilian-Saal im Hotel Maritim

Adventsfeier

Mit kurzer Begrüßung durch den Präses und dem schon etwas längeren 1. Satz aus dem Terzetto op. 74 von Antoni’n Dvor‡ak beginnt die traditionelle Adventsfeier des Blumenordens. Neu ist dieses Jahr, daß die fällige

Auszeichnung von Deutsch-Facharbeiten

aus der Kollegstufe mittelfränkischer Gymnasien hereinverlegt worden ist. Das beschert der Veranstaltung wesentlich mehr Besucher -- über 50 -- und ein ungewohnt gutes Medienecho: Sogar ein farbiges Bild der Preisträger erscheint später in der NN. Laudationes halten Dr. Hagen und Herr Hendelmeier; Dr. Kügel verliest die des verhinderten Herrn Dr. Freundl. Mit dem 2. Satz (Larghetto) leitet das Streichtrio über zu den Adventsgedanken, die diesmal der neue Pfarrer vonKraftshof, Herr Christian Kopp, in anrührender Weise entfaltet. Dann treten noch ein letztes Mal Juliane Göldner-Kügel (1. Violine), Dr. Werner Kügel (2. Violine) und Dr. Dieter Jäpel (Viola) in Aktion, um mit dem 3. Satz (Scherzo) auf die Ansprache von Herrn Stadtrat Utz Ulrich einzustimmen. Dieser ist gerade erst mit dem Flugzeug von einer Veranstaltung in Nizza zurückgekehrt, läßt sich aber keine Müdigkeit anmerken und vergibt die Preise an die Gymnasiasten. Dann plaudert er heiter und gehaltvoll über die humanistische Bildungstradition in Nürnberg mit ihrer besonderen Beziehung zur Literatur. Zu seiner Überraschung und sichtlichen Freude stellt dann den Abschluß des offiziellen Teils dar:

Verleihung des Ehrenkreuzes an Utz Ulrich

für seine zahlreichen Verdienste um das Nürnberger Kulturleben im allgemeinen und um die Jubiläumsfeier 1994 des Blumenordens im besonderen.

Samstag, 18. Dezember 2004, ab 18 Uhr, Restaurant „Petzengarten„

Festkommers der „Cimbria„

Aus Anlaß des Thomastages begeht die Studentenverbindung„ Cimbria„ einen Festkommers. Als Festredner hat Herr Peisl den Präses des Blumenordens gewonnen, der in einer halbstündigen Ansprache den Blumenorden vorstellt und in die Tradition der kulturell tätigen Vereinigungen einreiht. Im übrigen sind die mit guter Laune ausgeübten Rituale der Verbindung und das (grammatikalisch stellenweise bedenkliche) Latein der Ansagen ein Quell winterlicher Festgemütlichkeit.