Chronik 2009

Mittwoch, 7. Januar 2009, 19.30 Uhr, Caritas-Pirckheimer-Haus

Pegnesen lesen Heiteres

Erst in diesem Jahr war es den Pegnesen klar geworden, daß es im Caritas-Pirckheimer-Haus einen Weinkeller als mietbaren Raum gibt, in dem sich der Heitere Abend passender abhalten läßt als in den Seminarräumen. 17 Personen sind erschienen, darunter sieben, die dem Orden nicht angehören, um die reihum verlesenen Texte zu hören oder selbst zu lesen. Neben den Mundartgedichten von Herrn Raab, den Spruchgedichten von Herrn Reiß, den allfälligen Tagebuchausschnitten von Herrn Kügel und weiteren Beiträgen, die man erwarten konnte, überrascht Herr Körner mit sprachlich ausdrucksvoll gedrechselten Kurzgeschichten aus seiner Feder, von denen eine scharf beobachteten Alltag zur Darstellung bringt, die andere eine Phantasie mit orientalischem Einschlag.

Donnerstag, 15. Januar 2009

Jubiläum: „Eine Stadt liest“

Im Café des Künstlerhauses gedenkt eine zahlreiche Hörerschaft der Anfänge jener beliebten Mittagslesungen, und unsere Mitglieder Carl Heinz Demuß und Reinhard Knodt, auf die der Einfall und die anfängliche Organisation bzw. Moderation zurückgehen, werden gebührend gefeiert.

Sonntag, 18. Januar 2009

Jahresversammlung der Neuen Fruchtbringenden Gesellschaft

Vizepräses Körner hält in Köthen einen Vortrag über Georg Philipp Harsdörfer, der sehr freundlich aufgenommen wird.

Mittwoch, 11. Februar 2009, 19:30 Uhr, Caritas-Pirckheimer-Haus

Jahreshauptversammlung

Erschienen sind 8 Personen, den Vorsitz hat Dr. Kügel.

Nach ordnungsgemäßer Erledigung der Formalien verliest Frau Fink den Jahresbericht 2008. Es wird beschlossen, daß der Jahresbericht ins Internet gestellt wird.

Herr Direktor Platzer gibt Aufschluß über die finanziellen Verhältnisse des Ordens. Die Buchhaltung ist zuvor außerdem von Herrn Thomas Wirkner und Frau Köstler überprüft worden. Die Buchprüfer haben erklärt, daß alles ordnungsgemäß verzeichnet ist. Zum ersten Mal seit einigen Jahren schloß die Jahresbilanz mit einem kleinen Überschuß ab. Besonders hervorgehoben wird die Spende von Herrn Grieb für die Errichtung eines Gedenksteines im Irrhain, die den höchsten Betrag einer Zuwendung seit Kriegsende erreicht hat.

Herr Ebner stellt den Antrag auf Entlastung des Vorstandes. Diese wird bei Enthaltung der anwesenden Vorstandsmitglieder von allen übrigen Anwesenden gewährt.

Es werden u.a. folgende Punkte besprochen:

Möglichkeit einer Teilnahme am Konzert des Telemann-Orchesters in Tiefurt bei Weimar am 20. 6. 2009

Verlegung des Irrhainfestes in den Neunhofer Schloßgarten am 5. 7. 2009

Lesung von Frau Dr. Stein in der Kraftshofer Wellness-Scheune am 15. 7. 2009

Es wird beschlossen, das Mitglied Günter Stössel bei erster sich bietender öffentlicher Gelegenheit mit dem Ehrenkreuz des Ordens auszuzeichnen.

Gedenkinschriften auf dem neuen Stein werden künftig für solche verstorbene Mitglieder angebracht werden, die in Nürnberg öffentlich bekannt waren, die als Schriftsteller oder Wissenschaftler hervorgetreten sind, oder die Führungsaufgaben im Orden in besonderer Weise erfüllt haben.

Das in Ludwigsburg vorbesprochene Projekt „Arkadien nördlich der Alpen” soll 2012 zu einem Colloquium führen, das in Nürnberg stattfinden könnte, 2013 zu einer Ausstellung, wahrscheinlich in Stuttgart. Daneben, unter Umständen auch vorher, kann die von Dr. Prätor schon mehrmals zur Sprache gebrachte kleine Wanderausstellung durchgeführt werden, etwa im Hersbrucker Hirtenmuseum oder, sobald der Pellerhaus-Innenhof fertiggestellt ist, mithilfe von Hängungen an dessen Pfeilern. Wegen der Möglichkeit, die Scheune des Altstadtfreundevereins dafür zu nutzen, soll die Verbindung über Herrn Weingärtner hergestellt werden.

Mittwoch, 18. Februar 2009

Sprachausschuß

In Anwesenheit von insgesamt acht Teilnehmern beginnt Herr Raab mit Beispielen zur Ersetzung fremdwörtlicher Modeausdrücke und löst etliche weitere Vorschläge damit aus.

Eine neue Aussprache eröffnet Herr Länger durch die Mitteilung, daß seine Frau und er sich mit Leseförderung befassen. Dabei treten Bücher in unterschiedlicher Rechtschreibung auf. Die Kinder hätten bisher nie damit Schwierigkeiten gehabt, eine ältere Schreibung auseinanderzuhalten von derjenigen, die sie in der Schule anwenden müssen.

Herr Paulwitz hat zwei Wirkungsbereiche vorzustellen: Zum einen hat er im Zusammenhang seiner Arbeit für die Deutsche Sprachwelt eine Kampagne gegen das mißverständliche und überflüssige „Sale“ anstelle von „Sonderangebot“ oder „Ausverkauf“ begonnen und entsprechende Aufkleber drucken lassen. Zum anderen hat die Nürnberger Versicherung Vollstellen ausgeschrieben für Mitarbeiter, die sich um die verständlichere Abfassung von Texten für die Kunden kümmern sollen, und ihn um Vermittlung gebeten.

Herr Raab bekräftigt seine Absicht, den Vorsitz niederzulegen, und schlägt Herrn Paulwitz vor, welcher annimmt. Herr Kügel dankt Herrn Raab unter Überreichung einer Gedenkmünze des Ordens für seine in fünf Jahren geleistete wertvolle Arbeit und hofft, ihn in diesem Kreise auch künftig begrüßen zu dürfen. Herr Raab stimmt zu. Herr Paulwitz umschreibt seine Zielvorstellungen mit dem Wunsch, jeder Teilnehmer möge sich überlegen, was er zur Vermittlung von Ergebnissen an andere sprachpflegende Institutionen beitragen könne. Vor allem werden die Beziehungen zur Neuen Fruchtbringenden Gesellschaft und zur Deutschen Sprachwelt hervorgehoben.

Mittwoch, 4. März 2009

Vorbesprechung zum Parkpflegewerk

Um 14 Uhr erscheint Herr Diplom-Landschaftsarchitekt Helmut Wiegel in der Wohnung des Präses und erklärt, wie er bei dem Gutachten vorzugehen gedenke, das Dr. Ulrich Walter vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege in Auftrag gegeben hat. Dieser wiederum scheint auf Betreiben unseres Mitgliedes Eugen Schöler durch den Herrn Abgeordneten Freller und den den damals noch amtierenden Ministerpräsidenten Dr. Beckstein auf die Sache aufmerksam gemacht worden zu sein. Herr Wiegel ist dem Orden seit seiner Diplomarbeit über den Irrhain aus dem Jahre 1988 kein Unbekannter. Er bietet an, die zehn Prozent seines Honorars, wofür das Denkmalamt nicht aufkommt, dem Blumenorden gegen eine Dienstleistung aufzurechnen, die Herr Kügel gerne übernimmt: anhand unseres Archivs den historischen Einleitungsteil des Gutachtens auf den erkennbaren Stand der Dinge zu bringen.

Am selben Tag arbeitet Herr Körner zum letzten Mal an unserem Bibliotheksverzeichnis im Germanischen Nationalmuseum.

Dienstag, 10. März 2009, Hauptmarkt 18

Bei der Kulturreferentin

Herr Kügel berichtet Frau Dr. Lehner über die neueren Entwicklungen in Sachen Irrhain und spricht die Frage einer städtischen Förderung an. Die Kulturreferentin empfiehlt ihm, sich an Herrn Hinnecke vom Baureferat zu wenden und nimmt sich vor, diesem vorab einen Hinweis zu geben. Wie es sich später herausstellt, ist sie dazu nicht gekommen, und Herr Hinnecke ist auch gar nicht zuständig.

Mittwoch, 11. März 2009, 19.30 Uhr, Caritas-Pirckheimer-Haus

Vortrag

Leider nur acht Personen sind beisammen, als Herr Günter Paulus aus seinen deutsch-deutschen Erfahrungen, gesehen mit westdeutschen Augen, anhand seines Buches „Vom Ausverkauf zum Aufschwung Ost“ erzählt. Der Einblick in manche Hintergründe der Wendezeit, während welcher er in einer Stadtverwaltung des ehemaligen Ostdeutschlands als Jurist seinen Dienst versah, hätte manche fehlgeleitete Entwicklung besser verstehen helfen, doch befinden wir uns offenbar noch in einer Phase der schamhaften Verdrängung. Interessant aus dem Standpunkt des Blumenordens sind vor allem die Sprachunterschiede der auseinanderentwickelten Gesellschaften.

Mittwoch, 18. März 2009

Aufbruch zum Dichterturm

Herr Körner kommt einen Schritt weiter mit dem Versuch, dem Blumenorden die Benutzung des Bürgermeisterturms an Mittwochen zu sichern, indem er sich mit der Mieterin, die den Bürgermeisterturm vom Liegenschaftsamt der Stadt Nürnberg gemietet hat, über die Höhe einer Untermiete verständigt.

Dienstag, 24. März 2009, Schwanstetten

Engelhardt-Preis

Herr Kügel vertritt auf Einladung den Blumenorden bei der diesjährigen Verleihung des Elisabeth-Engelhardt-Preises des Landkreises Roth/Hilpoltsteins, die an den Lehrer, Romancier und Jugendbuchverfasser Willi Weglehner geht. Am Rande spricht er mit dem Landrat, Herrn Eckstein, über das Irrhain-Problem und gewinnt den Eindruck, daß man in einer Umgebung, die noch nicht so sehr mit Kultur-Events überschwemmt ist wie Nürnberg, für so etwas mehr Verständnis und Hilfsbereitschaft aufbringen würde.

29. März 2009, Irrhain

Vermessung

Zum Auftakt der Gutachtertätigkeit läßt Herr Wiegel mit neuesten Lasertheodoliten an einem einzigen Tag an über 200 Meßpunkten den Irrhain meßtischblattmäßig erfassen. Leider wird auch festgestellt, daß jemand in die Gerätehütte eingebrochen ist. Es fehlt nur eine kleine Heckenschere, doch das dünne Blech der Türe, das nur symbolischen Widerstand leistet, ist verbogen und muß vorsichtig gerichtet werden. Außerdem wird eine neue Anbringung des Vorhängeschlosses nötig.

Mittwoch, 8. April 2009

Irrhainpflege

Vier Personen haben sich im Irrhain verabredet: Ippisch, Körner, Kügel und Wiegel. Zunächst legt Herr Wiegel den Irrhainplan in reduziertem Format aus und erklärt die Art der Darstellung. Dann rät er zum Fällen eines schräghängenden Ahornbaumes von geringem Umfang, aber großer Höhe, was auch geschieht. Außerdem werden die Wege gekehrt und Büsche beschnitten.

Donnerstag, 9. April 2009

Irrhainpflege

Herr Ippisch und Herr Kügel setzen die Arbeit des Auslichtens und Stutzens fort, während Herr Körner am Innentor (dem Rosenbogen) Efeu pflanzt und die Tür der Gerätehütte repariert.

Mittwoch, 22. April 2009, 19.30 Uhr, Caritas-Pirckheimer-Haus

Vortrag

Wieder nur neun Personen, einschließlich des Referenten, sind anwesend, als unser Mitglied Peter Götz, aus Stuttgart angereist, einen biographischen Überblick samt Lesung aus den Werken eines hierzulande kaum bekannten Dichters namens Christian Wagner zu Gehör bringt. Dieser war Zeit seines Lebens nichts anderes als ein Bauer, dazu ein armer, hat sich aber in erstaunlicher Weise gebildet und im Raum Stuttgart eine bis auf den heutigen Tag anhaltende hohe Wertschätzung erworben. Herrn Götz ist er darüberhinaus sympathisch wegen seiner Tierliebe und seiner esoterischen Neigungen.

Dienstag, 29. April 2009

Der Orden faßt Fuß im Dichterturm

Herr Körner schließt den Mietvertrag für die Nutzung an allen Mittwochen des Jahres ab.

Mai 2008

Neuaufnahmen

Als Mitglieder Nr. 1752 bis 1754 begrüßen wir: Herrn Werner Jürgensen, Herrn Matthias Kröner und Herrn Klaus Ehrenfried Schmidt.

Mittwoch, 13. Mai 2009, 19.30 Uhr, Caritas-Pirckheimer-Haus

Nicht zustandegekommener Vortrag

Den Tiefpunkt unserer Veranstaltungsbemühungen im CPH markiert der Abend des geplanten Vortrags von Herrn Paulwitz über die Neue Fruchtbringende Gesellschaft: Referent, Präses, Vizepräses und ein weiterer Besucher sind erschienen. Unter diesen Umständen beschließt man, den Vortrag auf einen anderen Tag und anderen Ort, nämlich den Turm, zu verlegen. Der Grund für diesen enttäuschenden Mangel an Beteiligung ist ein anderer Vortrag, der zur gleichen Stunde im gleichen Hause angesetzt ist: eine Veranstaltung der Goethe-Gesellschaft, in der über Kriminalfälle in den Werken Theodor Fontanes gesprochen wird. Es ist sehr leicht einzusehen, daß dies mehr Zuhörer anzieht, sogar einige aus dem Blumenorden, die sich bei ihrem Eintreffen für ihr Fernbleiben von unserem Vortrag entschuldigen.

Samstag, 16. Mai 2009, Neunhof und Irrhain

Vorstandsbesprechung und Irrhainführung

Im Park des Schlosses zu Neunhof treffen Herr Platzer, Herr Körner und Herr Kügel zusammen, um sich ein Bild von den räumlichen Möglichkeiten zu machen, unter denen das diesjährige Irrhainfest stattfinden kann. Nachdem die Besichtigung zufriedenstellend abgelaufen ist, setzt man sich im Gasthof „Altes Forsthaus“ zum Mittagessen, erfährt dort aber, daß immer am 1. Sonntag im Juli das Museumsfest in Neunhof abgehalten wird, eine sehr lautstarke Angelegenheit, bei der sogar die Blechbläser elektronisch verstärkt werden. Ein Fest des Blumenordens mit Irrhainspiel und Ansprachen zur Pokalrunde erscheint unter solchen Umständen unmöglich. Herr Körner geht kurzentschlossen zu den Betreibern der Wellness-Scheune nach Kraftshof, dem Ehepaar Satorius, und erhält von diesen die freundliche Zusage, daß nicht nur Frau Dr. Steins geplante Lesung, sondern auch das Fest auf ihrer geräumigen Wiese innerhalb des Anwesens stattfinden kann.

Am Nachmittag trifft Herr Kügel mit Kollegen der Fakultät Informatik der Georg-Simon-Ohm-Fachhochschule und deren Angehörigen beim Irrhain zusammen, um anläßlich deren Ausflugs eine Irrhainführung zu geben. Daß sie gut angekommen ist, sieht er an den nachträglich überschickten Gedichten zweier der Dozenten.

Donnerstag, 21. Mai 2009, Poetenwäldchen

Fehlgeschlagenes Pfadfinderfest

Aus alter Verbundenheit mit dem Blumenorden will der Förderkreis des Pfadfinderbundes „Weltenbummler" in Mittelfranken sein jährliches Fest mit den Pfadfindern diesmal an dem Ort halten, an dem Harsdörfer und Klaj 1644 das „Pegnesische Schäfergedicht” entworfen haben. Herr Kügel, der auch der Vorsitzende dieses Förderkreises ist, hat sich im Vorfeld bemüht, mit dem Liegenschaftsamt zu einer Verständigung wegen dieser Sondernutzung zu gelangen, muß aber leider feststellen, daß die in Nürnberg noch vorhandenen Pfadfinder dieses Bundes andere Pläne haben und sich nicht beteiligen wollen. Es handelt sich um eine neue Generation, die weder mit seiner Person noch mit dem Irrhain eine Vorstellung verbinden. Er sagt kurzfristig ab, doch Veitsbronner Pfadfinder sowie einzelne Pegnesen erscheinen nachher unangemeldet am Ort und müssen unverrichteter Dinge abziehen.

Donnerstag, 28. Mai 2009, 19 Uhr, Wohnung des Präses

Sitzung des Sprachausschusses

Mit sieben Teilnehmern nimmt der Ausschuß seine Tätigkeit auf; Herr Paulwitz gibt einen Überblick über kürzliche Ereignisse. Am 21. 2. erschien eine Pressemitteilung mit Informationen aus der Spracharbeit des Blumenordens, die in etlichen Zeitungen aufgegriffen wurde.

Am 19. 4. brachte Bayern 2 (Rundfunk) eine einstündige Sendung über den Blumenorden mit insgesamt wohlwollender Einstellung. Zu Wort kamen darin die Herren Kügel, Paulwitz und Stössel.

Frau Christina Zenker, deren Facharbeit im Leistungskurs Deutsch vom Blumenorden in der vorigen Adventsfeier prämiiert worden war, referiert im Zusammenhang mit deren Thema über das Problem der deutsch/englischen Sprachvermischung. Besonders wertvoll im Vergleich zu anderen Darstellungen der Problematik ist an ihrer Arbeit, daß sie „Denglisch“ und „Anglizismen“ auseinanderhält. Zur Geschichte solcher Anleihen aus fremden Sprachen führt Frau Zenker aus, daß es schon im 17. Jahrhundert Sprachpurismus gegeben habe und daher eine Gleichsetzung verwandter heutiger Bestrebungen mit dem Nazismus nicht zutrifft. Im 19. Jahrhundert habe es bereits 900 Anglizismen gegeben. Ein wahrer Übernahmeschwall sei aber nach dem 2. Weltkrieg auf den Gebieten der populären Musik, des Journalismus, der Ernährung, des Sports und der Werbung eingedrungen, und auch in der Wissenschaftssprache habe es viele neue Wörter englischer Herkunft gegeben. Am auffälligsten sind Konjugationen, z.B. das berüchtigte „downgeloadet“ bzw. „gedownloadet“ („herladen — hinladen“, sagt Herr Kügel, wären griffigere deutsche Wörter).

Für ihre Auswertung der Fragebögen bildete Frau Zenker Altersgruppen und teilte je Gruppe 80 Bögen aus. Am wenigsten ausgefüllt wurden diese von der ältesten Gruppe. Außerdem war ein Widerspruch sehr deutlich zwischen der allgemeinen Behauptung, der Einfluß des Englischen sei hoch, und der Tatsache, daß die Befragten vorherrschend deutsche Wörter verwendeten. Allerdings kannte die Altersgruppe der unter Zehnjährigen oft nur noch das denglische Wort. Den besten Überblick hatte die Altersgruppe der 21-35jährigen. Auf die Frage nach der Nachwirkung dieser Arbeit auf Frau Zenker selbst gibt sie an, sie sei sensibler geworden. Ihr Studium gehe zwar nun in eine andere Richtung, doch sie kann sich vorstellen, daß ihre Ergebnisse später in ihrem Unterricht zum Tragen kommen.

In der letzten Sitzung der NFG wurde ein Brief zur Unterstützung des Vorschlags von Herrn Abgeordeten Lammert formuliert, Deutsch solle als Landessprache im Grundgesetz erwähnt werden. Der Blumenorden schließt sich diesem Schreiben an, ebenso wie mehrere Sprachpflegevereine (ausgenommen der Verein für deutsche Sprache, der eine eigene Unterschriftenaktion plant). Der Zustand der deutschen Sprache macht ein Zeichen der Wertschätzung nötig, mit dessen Rückhalt die Sprachvereine legitim daran arbeiten können, eine gute deutsche Sprache zu erhalten und zu pflegen, die allen verständlich ist.

Herr Stössel nennt die Sendezeiten seiner regelmäßigen Sprachglosse im Radio Franken, die nun unter dem neuen Titel „Horch zu“ in die 766te Folge geht: Samstag zwischen 12 und 14 Uhr, Samstag und Sonntag auch zwischen 8 und 9 Uhr.

Donnerstag, 4. Juni 2009

Ehrenkreuz-Verleihung

Im Fembohaus wird ein neues System von Ausstellungsführung mittels Leihgeräten mit aufgespielten Erläuterungstexten der Öffentlichkeit vorgestellt. Herr Körner ist auch anwesend und ergreift die Gelegenheit, Herrn Stössel, der eine fränkische Fassung der Texte beigetragen hat, das ihm auf der Hauptversammlung zuerkannte Ehrenkreuz des Ordens zu überreichen.

Mittwoch, 10. Juni 2009

Turmbesichtigung

Frau Fink, Herr Körner, Herr Kügel, Herr Paulwitz mit Frau und Kindern steigen ins Bürgermeisterzimmer des künftigen Dichterturms empor und sehen sich um. Atmosphäre, Einrichtung und Möglichkeiten für Veranstaltungen werden zustimmend beurteilt, mit der Einschränkung, daß älteren Herrschaften die Stiege zu beschwerlich fallen dürfte. Man wird einige Abende nach wie vor im CPH halten müssen, wird sich aber bemühen, die Miete wenigstens zum Teil durch Eintrittsgelder und freiwillige Beiträge wieder hereinzubringen.

Mittwoch, 17. Juni 2009, 19.30 Uhr, Caritas-Pirckheimer-Haus

Vortrag

Herrn Dr. Ernst-Friedrich Schultheiß gelingt es, 19 Zuhörer zu seinem Vortrag über Goethes Beziehungen zu Nürnberg und seine Aufenthalte in der Stadt zu versammeln. Überraschenderweise beginnt er mit der Darstellung einer Vorform der Lebensversicherung, der sogenannten Toutine, es stellt sich aber bald heraus, daß Goethe eine solche für sich und Freunde bei einem Nürnberger Anbieter abgeschlossen hat. Dies war sein erster Kontakt. Auch seine weiteren werden akribisch dargestellt, außerdem seine Einschätzung Nürnberger Künstler, darunter Grübel. Leider kommt der Blumenorden, dessen Mitglied Grübel war, hier nicht vor, doch ist es dem Albrecht-Dürer-Verein 1828 und dem Industrie- und Kulturverein 1829 gelungen, Goethe als Ehrenmitglied zu gewinnen. Eine verpaßte Gelegenheit mehr, das Weiterbestehen des Blumenordens in die Literaturgeschichten zu bringen.

Sonntag, 5. Juli 2009

Verlegtes Irrhainfest

Bei schönstem Sommerwetter treffen etwa 60 Gäste vor dem Tor der Wellness-Scheune ein, einem Anwesen, das mitten im Dorf Kraftshof liegt, westlich hinter dem Pfarrhof, und ein überraschend großes Rasenstück mit hölzernem Rundpavillon zwischen den Gebäuden aufweist. Herr Körner hat Getränke herbeigeschafft, reichlicher als nötig, wie sich herausstellt; vom Förderkreis der Weltenbummler-Pfadfinder ist Herr Wachter mit seinem Gasbratofen gekommen und bietet Würstchen und Steaks an. Die Hans-Sachs-Spielgruppe ist, zusätzlich zu ihrem Leiter, Herrn Meißner, und dessen Ehefrau, durch Frau Peßler, Frau Ranzinger und Herrn Heinlein vertreten und führt auf, was wir vor zehn Jahren zuletzt bei solchem Anlaß gesehen haben: „Frau Wahrheit will niemand beherbergen“. Der Beifall ist herzlich. Nun wird vom Präses der Tulpenpokal dargereicht, an den Vorstand, die Ordensräte, die Mitwirkenden bzw. ihre Vertreter, an Herrn Stössel, der sich mit einer launigen Einlage aus seinen Fembohaus-Texten bedankt, an seltene Gäste aus den USA und weniger seltene von der Erlanger Universität, und dazwischen spielen immer wieder einmal Mitglieder des Telemann-Orchesters Nürnberg einzelne Stücke aus der Wassermusik von Händel. Das Fest läßt allerdings eine wehmütige Stimmung wegen seiner Verlegung zurück, so schön es in diesem Garten auch war, und so begeben sich einzelne nachher noch ganz inoffiziell in den Irrhain.

Mittwoch, 15. Juli 2009, Wellness-Scheune

Lesung

Eine Lesung von solcher Intensität wie die von Dr. Ingeborg Stein in der Wellness-Scheune an diesem Nachmittag erlebt man selten, doch es sind außer der Vortragenden nur noch acht Personen gekommen: Herr Ebner, Frau Fink, die Schriftführerin, Herr Hackbarth, Herr und Frau Kügel, Herr Körner und Herr und Frau Weber. Vielleicht hat derselbe Ort eine Woche nach dem Irrhainfest auf andere keine Anziehung mehr ausgeübt, und unter dem Titel „Sieben Berichte von den Vorhöfen des Paradieses“ konnte man sich wohl nichts Erfreuliches vorstellen. Dagegen wissen diejenigen, die beim Konzert des Telemann-Orchesters in Tiefurt dabeiwaren, daß Frau Stein ihre Umgebung dichterisch überhöht und mit Bedeutung aufgeladen hat. Anklänge an den paradiesischen Tiefurter Park, die kleinen Wohnungen zu selbstbestimmtem, kulturerfülltem Leben älterer Menschen, das Kreisen der Gedanken um Lebensende und Nachleben, die Auseinandersetzung mit dem nahen KZ-Ort Buchenwald und die auflösende, geradezu erlösende Stimmung des ganzen sind nicht aus der Luft gegriffen, sondern aus der Lebenslage erwachsen. Juliane Göldner-Kügel begleitet die Rezitation mit freien Improvisationen, teils mit gesummter Singstimme, teils auf einem Streichpsalter, auf der Bratsche oder der Kantele, passend je nach Text. Das Experiment wird als gelungen gelobt.

16. Juli 2009

Trauerfall

Frau Annemarie Zagel, Mitglied Nr. 1623, erliegt ihrem langjährigen Leiden. Sie war dem Blumenorden schon verbunden, bevor sie nach Berufstätigkeit in Frankfurt wieder hierher umsiedelte, und konnte aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg berichten, im Irrhain noch Reste des Schlangengangs wahrgenommen zu haben. Aufgenommen wurde sie am 1. 7. 1988, zur rechten Zeit, um zusammen mit Ihrem Ehemann an der Arbeit im Festschriftausschuß für das Jubiläum von 1994 mitzuwirken. Dafür erhielt sie am 18. 8. 1994 das Ehrenkreuz. Sie verfaßte auch Verse, die sie bei den Heiteren Abenden und bei den Irrhainfesten gerne vortrug, und ihr trockener Humor war sehr geschätzt. Die Hauptversammlung des Jahres 2006 beschloß, dem Ehepaar Zagel die Ehrenmitgliedschaft zu verleihen. Frau Zagel hat im Orden bleibenden Eindruck hinterlassen.

Mittwoch, 22. Juli 2009, 19 Uhr, Bürgermeisterturm, Neutormauer 11

Sitzung des Sprachausschusses

Als Gast nimmt Frau Ruth Knittel vom Concept-Verlag teil, welche die Zeitschrift „älter werden – aktiv im leben“ herausgibt. Dieser Verlag hat 2006 den Preis der Initiative Mittelstandsförderung erhalten.

Beim Köthener Sprachtag (20. Juni) hat Herr Paulwitz als Moderator gewirkt und einen Vortrag über Europawahl-Programme der Parteien im Hinblick auf die Sprachpflege gehalten. Wie es die Parteien in ihren Programmen für die Bundestagswahl damit halten, sollte bis zum 5. September analysiert werden. Herr Körner und Dr. Kügel bieten an, je ein Programm durchzusehen, wenn Herr Paulwitz es ihnen auf elektronischem Wege zugänglich macht. Dieser berichtet, daß auf Anregung eines CSU-Abgeordneten bereits Anglizismen aus dem gemeinsamen Bundestagswahlprogramm von CDU und CSU entfernt wurden.

Am 29. 6. wurde die HypoRealEstate-Bank in Deutsche Pfandbriefbank umbenannt. Dies entspricht unserem Vorschlag.

Seit dem 20. 7. ist von dem Wahrigschen Wörterbuch aus dem Bertelsmann-Verlag wieder eine neue Auflage erschienen, seit dem 21. 7. auch eine neue DUDEN-Auflage, und zwar die jeweils erste seit drei Jahren. Beide Redaktionen sind im Rat für deutsche Rechtschreibung vertreten, und dieser hat 2006 bewährte Schreibungen zum Teil wieder zugelassen.

Was von der Reformschreibung übrigbleiben wird, ist nach Voraussage von Herrn Paulwitz wohl nur die Heysesche Doppel-s-Schreibung. Frau van Thiel gibt zu bedenken, daß die Schreibung von Zusammenschreibungen heute schon von Rechtschreibprogrammen der Rechner bestimmt wird; wie wolle man die privaten Schreibungen ermitteln? Dazu sei der Rechtschreibrat, sagt Herr Paulwitz, auf die Zuarbeit der Wörterbuchverlage angewiesen, deren Redaktionen eine große Anzahl von Schriftstücken aus verschiedensten Quellen auswerten.

Die Vandalismen in Internet-Nachschlagewerken wie Wikipedia und Franken-Wiki nennt Herr Paulwitz Beispiel für Kulturkämpfe in Bezug auf Sprache im „vorpolitischen Raum“, einer Sphäre, in der gesellschaftliche Gruppen einander Auseinandersetzungen liefern, die in die institutionalisierte Politik übergreifen können.

Herr Körner hat zu seinem Thema „Berufsnamen in abschätziger Verwendung“ eine Liste mitgebracht, die er den Teilnehmern zur Verfügung stellt, damit diese in Werken wie „Kluge“ oder „Grimm“ die Hintergründe nachsehen.

Das Institut für deutsche Sprache in Mannheim hat eine Veröffentlichung „Aktuelle Spracheinstellungen in Deutschland“ herausgebracht. Darin findet sich die Erkenntnis, daß die Empfindlichkeit gegenüber Veränderungen in den letzten zehn Jahren zugenommen hat.

Samstag, 25. Juli 2009, 16 Uhr, im Hause des Schatzmeisters

Besprechung

Herr Körner, Herr Kügel und Herr Wiegel finden sich bei Herrn Platzer ein, um über weitere Schritte in Sachen Irrhain zu beraten. Aufgrund seiner Analyse der Verhältnisse im Irrhain kann Herr Wiegel Hoffnung machen, daß eine Kronenentlastung der morschen Eichen sowohl für die Verkehrssicherheit ausreichend, als auch den Eremitenkäfern nicht nachteilig wäre. Beim Vergleich der Vermessungsdaten mit dem Katasterplan und früheren Vermessungsversuchen hat sich übrigens herausgestellt, daß die heutigen Grenzen des Irrhains gegenüber den historischen im Norden ein wenig überstehen, dafür an der Südseite um wenige Meter nach innen versetzt worden sind. Im Osten sind die Verhältnisse unklar, weil dort in alten Plänen ein halbrundes Stück Gelände ausgewiesen ist, das über die Linie der rudimentären Betonpfähle hinaussteht. Der Blumenorden will es nicht so genau nehmen, strebt jedenfalls die Wiederherstellung seiner Nutzung zu Festen am bisherigen Ort an, nachdem klargeworden ist, daß die Gefahr durch umfallende Bäume überschätzt wurde. Eine sterbende oder tote Eiche zerlegt sich von oben und wirft dabei Äste und Stammstücke in einem begrenzten Umkreis ab. Diese Gefahr ist beherrschbar, nur ein einziger Baum müßte gänzlich fallen, und darüber will Herr Wiegel mit Frau Färber reden, welche den FFH-Plan erst erstellt. Wir hatten fälschlicherweise gedacht, er sei schon festgeschrieben, weil gewisse Bäume schon gleich Plaketten erhalten hatten, doch dem ist nicht so.

Freitag, 28. August 2009, Frankfurt

150jähriges Jubiläum des Freien Deutschen Hochstifts

Da der Blumenorden körperschaftliches Mitglied ist, folgt der Präses der Einladung zu den Feierlichkeiten, die in der völlig gefüllten Paulskirche, im Innenhof des Rathauses und im Goethehaus stattfinden, und ergreift mit seiner Gemahlin auch die Gelegenheit, die Frankfurter Altstadt und das Städel-Museum zu besehen. Am Rande des Empfangs ergibt sich auch ein kurzes Gespräch mit Frau Prof. Bohnekamp-Renken, der 1. Vorsitzenden des Hochstifts. Besonders beeindruckend ist der Vortrag über und die Rezitation aus Schillers „Wallenstein“-Trilogie von Peter Stein.

Donnerstag, 10. September, bis Sonntag, 13. September 2009

Jahrestagung der ALG in Leipzig

An vier statt an drei Tagen wie sonst tagt die Arbeitsgemeinschaft Literarischer Gesellschaften. Dem Tagungsort entsprechend ist das Beiprogramm auf das Kennenlernen von Schriftstellern der ehemaligen DDR abgestimmt und auf die Frage nach der gegenseitigen Rezeption nach der Wende. Klar wird vor allem, daß es vieles Qualitätvolle zu lesen gäbe, was man auch danach zur Kenntnis zu nehmen versäumt hat. Es ist Herrn Kügel, der den Blumenorden vertritt, allerdings auch möglich, bei einer Lesung mehrerer Lyriker die ganz besonders gediegene Arbeitsweise des fränkischen Dichters Gerhard Falkner schätzen zu lernen und im persönlichen Gespräch zu erfahren, wie fleißig er an seinen Texten feilt. Exkursionen suchen eine Gedenkstätte für den Dichter Ringelnatz am Ort seiner Jugendjahre und das Sommerhaus des Verlegers Göschen samt Gedenkstein an seinen Gast Seume auf, doch die Stadtführung gerät wegen der unverhohlenen Sympathien des Führers mit den alten DDR-Verhältnissen eher ärgerlich.

Montag, 14. September 2009

Neunhofer Schloßfest

Dr. Kügel vertritt den Orden bei dem Empfang, den die Erbengemeinschaft des Schlosses Neunhof anläßlich des Kirchweihausklangs alljährlich gibt, und erhält die abermalige Zusage, daß der Blumenorden sein Irrhainfest im kommenden Sommer besuchsweise im Neunhofer Schloßgarten halten darf. Frau Dr. Spille aus Worms erkundigt sich angelegentlich nach dem Stand der Dinge und bietet an, Fachkollegen aus dem Denkmalschutzbereich zu Stellungnahmen zu veranlassen, wenn es nötig werden sollte.

Mittwoch, 16. September 2009, Turm

Sitzung des Sprachausschusses

Anläßlich der Bundestagswahl am 27. September hat die Redaktion der „Deutschen Sprachwelt“ vorab alle sechs Parteiprogramme auf Aussagen zum Thema Sprache geprüft. Dr. Kügel untersuchte im einzelnen das Wahlprogramm der CSU, Herr Körner das der FDP, Herr Paulwitz hat eine umfassende Untersuchung ins Netz gestellt und die Presse davon informiert; es ist aber nicht aufgegriffen worden. Herr Körner hat aufgrund seiner Analyse mit dem FDP-Kandidaten Andreas Neuner Kontakt aufgenommen, aber keine Antwort erhalten.

Die Forderung, die deutsche Sprache als Landessprache ins Grundgesetz zu schreiben, war zwar vom Parteitag der CDU im Dezember 2008 erhoben worden, wurde aber nicht ins Wahlprogramm aufgenommen, weil sie der Parteispitze nicht paßte. Anscheinend wurde befürchtet, daß alle möglichen anderen Ziele dann auch dem Grundgesetz aufgepackt werden sollten. Über diese Motive wird Herr Paulwitz im „Zentaur“ der Ladenkette Rossmann etwas schreiben.

Herrn Körners Liste zum Thema „Berufsnamen in abschätziger Verwendung“ wird von Dr. Kügel mit Informationen aus dem Etymologischen Lexikon von Kluge und dem Grimmschen Wörterbuch ergänzt.

In den „Mitteilungen des deutschen Germanistenverbandes“ wird die jetzige Entwicklung stark verharmlost. Die Presse hat dies mit Schlagwörtern wie „Die deutsche Sprache: 1200 Jahre alt und kerngesund“ gerne aufgenommen. Dagegen sagt Horst Haider Munske, die Entwicklung der deutschen Sprache verlaufe ähnlich wie die ihrer Dialekte: Am Ende tauge sie nur noch für den Plausch. Auch andere Sprachen werden zu Dialekten des Englischen verkümmern. Dadurch gehe deren Universalität im Sinne der Anwendbarkeit verloren.

Frau Nelke macht sich Gedanken über die geringe Sprachkompetenz, unkorrekte und rudimentäre Ausdrucksfähigkeit, die aus Bekennerbriefen von Amokläufern wie denen in Erfurt und Winnenden ersichtlich ist, und vermutet, daß die Gewaltbereitschaft in dem Maße steigt, in dem gemeinsame Konfliktverarbeitung mithilfe der Sprache nicht mehr möglich ist.

Samstag, 19. September 2009, 12 Uhr, Poetenwäldchen

Eine Lesung fällt aus und wird verlegt

Carl Heinz Demuß hatte vorgeschlagen, eine jedem Pegnesen zum Mitmachen offene Lesung an unserem Gedenkstein beim Poetenwäldchen abzuhalten, und auch die Presse verständigt. Wer dann mit Getränken, einem Pavillon-Zelt und Grillgerät erscheint, sind Herr Körner und Herr Kügel, es gesellen sich Herr Demuß, Frau Paris, Herr Ebner dazu, eine Stunde später treffen zwei Presseleute ein. In dieser Besetzung kann man nicht anfangen. Frau Kreppner, die darauf aufmerksam gemacht hat, daß im Mitteilungsheft als Beginn 14 Uhr angegeben war, kündigt an, sich bis dann mit einer weitere Teilnehmerin zu entfernen, die Damen kehren aber auch bis 14 Uhr nicht zurück. Es waltet offenbar ein Unstern über der Termingestaltung, und als bis 14:15 Uhr immer noch niemand dazugekommen ist, bricht man die Veranstaltung ab. Zur Bekämpfung des schalen Nachgefühls (und des Hungers) begeben sich die Erstgenannten in den Irrhain, wo man bald reihum zum Mahle eigene Texte verliest, Herr Demuß spielt sogar selbstverfaßte Lieder aus seiner Jugend zur Gitarre vor, und somit wäre die gute Stimmung wiederhergestellt — wenn man nicht nachträglich erführe, daß einige Mitglieder des Autorenverbandes Franken uns am ursprünglichen Treffpunkt knapp verfehlt haben.

Samstag, 26. September 2009, Treffpunkt: 7:45 Uhr, Endhaltestelle Thon

Herbstfahrt

Zwölf Personen in drei Autos machen sich auf die lange Fahrt nach Wetzlar, um auf Einladung des Herrn Le Blanc die von ihm geleitete Phantastische Bibliothek zu besichtigen. Zuerst erhalten die Pegnesen jedoch eine mit aufschlußreichen und begeisternden Auskünften gespickte Stadtführung (Werther, Goethe, Lotte, das Reichskammergericht, der Dom sind die Themen), dann dürfen sie im Bibliothekscafé etwas zu sich nehmen und sind somit gestärkt für eine zweistündige Kaskade von beeindruckenden Erläuterungen der Bedeutung, des Umfangs, der Geschichte und des weiten Tätigkeitsbereichs dieser ausgefallenen Einrichtung. Der Blick in die verschiedenen Räume und auf die teils ungewöhnlichen Büchergestelle zeigt schnell, daß hier mit Liebe zur Sache und mit vielen zweckmäßigen, aber eben auch neuartigen Einfällen vorbildliche kulturelle Arbeit geleistet wird. Auf der Heimfahrt setzen sich die Gespräche darüber noch lange fort.

Oktober 2009

Neuaufnahmen

Mit Wirkung vom 1. Oktober werden als Mitglieder Nr. 1755 und 1756 aufgenommen: Herr Prof. Dr. Dr. h.c. Klaus Garber und Frau Charlotte Hahn.

Mittwoch, 7. Oktober 2009, 19:00 Uhr, Bürgermeisterturm

Lesung

Matthias Kröner und Leonhard Seidl machen den gelungenen Anfang mit unseren Veranstaltungen im Turm vor einem Publikum von 16 Personen. Ihre Texte reichen, laut ihrer Selbstanzeige, „von rotzfrecher Mundart über komplizierte Lyrik und kraftspendende Satire zur ausgefeilten Novelle“. Die Anwesenden reagieren mit freundlichem Beifall, unser eigens aus Weiden angereistes Mitglied Ippisch unternimmt sogar Schritte, den Verfassern einen Lesetermin in seiner Stadt zu vermitteln.

Freitag, 16. Oktober 2009, Henkermuseum

Führung

Herr Dr. Hartmut Frommer, der sich sehr für die Einrichtung eines Museums zur Veranschaulichung der historischen Nürnberger Rechtspflege in der Henkerwohnung eingesetzt hat, bietet dem Blumenorden eine exklusive Führung durch die Sammlung an. Dem naßkalten Wetter entsprechend, erscheinen leider nur etwa ein Halbdutzend Personen, darunter Herr und Frau Schrettenbrunner und Frau Marga Ruth Mead, und durchstreifen die Henkerwohnung am Ende des Holzsteges, den Gang im Pegnitz-Überführungsbogen der vorletzten Stadtmauer, ersteigen den Turm neben dem Weinstadel und erhalten von Herrn Frommer sehr eingehende und dankbar aufgenommene Auskünfte über die Art, wie die alte Reichsstadt mit den Rechtsbrechern verfuhr. Sensationelle oder sadistische Verfälschungen, wie sie das 19. Jahrhundert liebte und wie sie sich in der Sammlung des Rothenburger Museums niedergeschlagen haben, werden von der hiesigen sachlich korrigiert, ohne daß die heute kaum vorstellbare Strenge, aber auch die von Verurteilten mitgespielte Ritualisierung, die sich aus den Aufzeichnungen des Meisters Franz ablesen lassen, relativiert werden. Die Vorgänge um die Veröffentlichung dieser Aufzeichnungen, in die auch ein Pegnese verwickelt ist, und ihr Echo in Brentanos „Geschichte vom braven Kasperl und dem schönen Annerl“ spielen das Thema auf unser Gebiet hinüber. Man hätte noch gern länger verweilt, aber die Heizung war nicht angeschaltet worden, und nach einer verfrorenen Stunde in Mänteln sind sich alle einig, daß man heimgehen kann.

Mittwoch, 4. November 2009, Turm

Vortrag

Beim zweiten Anlauf, dem Blumenorden über die Neugründung und Tätigkeit der Fruchtbringenden Gesellschaft zu berichten, versammelt Herr Paulwitz immerhin acht Personen im Bürgermeisterstübchen. Auch wenn die NFG aus vielen Teilen Deutschlands bereits Mitstreiter gewonnen hat und Doppelmitgliedschaften fast wie im 17. Jahrhundert mit dem Blumenorden bestehen, kann in Nürnberg wohl nicht erwartet werden, daß dieses Thema besonders viel Zuspruch findet, wenn hier der Blumenorden, der Mitglieder in mehreren Ländern und Kontinenten hat, schon kaum wahrgenommen wird. Allerdings macht sich die NFG, begünstigt durch die Bereitwilligkeit der Stadt Köthen, für ihr Erscheinungsbild etwas zu tun, in der Öffentlichkeit mit viel mehr Erfolg und Zielstrebigkeit bemerkbar.

Mittwoch, 11. November 2009, Caritas-Pirckheimer-Haus

Video-Rückblick

Mario Reubel und Werner Kügel haben sich manche Stunden lang Mühe mit dem Zusammenschnitt des reichlichen Materials gemacht, das Herr Reubel aufgenommen hat, und zeigen nun Ausschnitte vom Irrhainumgang 2008, von der Adventsfeier 2008, vom Irrhainfest 2009 und von der Herbstfahrt 2009. Zehn Zuschauer haben sich anlocken lassen.

Mittwoch, 18. November 2009, vormittags, Irrhain

Begehung

Herr Dr. Walter vom Landesamt für Denkmalpflege kommt mit einem Stab von Mitarbeitern in den Irrhain und läßt sich von Herrn Wiegel im Beisein des Präses und Vizepräses an Ort und Stelle das Parkpflegeprojekt erläutern, dem er ohne Vorbehalte zustimmt. Auch Schäden am Steintor und einzelnen Denkmälern werden angesprochen.

Mittwoch, 18. November 2009, 19 Uhr, Turm

Sitzung des Sprachausschusses

Herr Paulwitz hat mehrere Exemplare der Zeitschrift des Bundes für deutsche Schrift und Sprache „Die deutsche Schrift“ erhalten und verteilt sie an die Anwesenden. Dazu äußert Frau van Thiel, die Fraktur werde zuweilen auch von jungen Leuten als schön empfunden, etwa als Schmuckschrift in Hochzeitszeitungen.

Ein Beitrag von Herrn Paulwitz ist auch in die Kundenzeitschrift „Centaur“ der Drogeriekette Rossmann aufgenommen worden und hat bei der Auflage von 600000 großen und anhaltenden Widerhall in der Öffentlichkeit gefunden.

Am 12. 11. stellte Herr Paulwitz in Hannover den Gedanken der Ausweisung einer „Straße der deutschen Sprache“ vor, die ähnlich wie touristische Routen nach Art der „Deutschen Alleenstraße“ das Bewußtsein auf Besonderheiten kultureller Art lenken soll, in diesem Fall auf die vor allem in Mitteldeutschland geübte Fortentwicklung und Pflege der deutschen Sprache. Herr Kügel macht geltend, daß eine solche Benennung auch südlichere Zentren der Sprachpflege erfassen sollte, und zwar nicht nur wegen des Blumenordens und seines Sprachanregers Birken, sondern auch wegen Johann von Neumarkt, Johann von Tepl und anderen frühneuhochdeutschen Vorbildgebern.

An Herrn Minister Markus Söder ist Einladung zum Besuch dieser Ausschußsitzung ergangen, weil er sich für die Erwähnung der deutschen Sprache als Staatssprache im Grundgesetz ausgesprochen hatte. Außerdem wollte er in seinem Ministerium den Slogan einer Anti-Alkohol-Kampagne, „Be smart — don’t start“ in „Starker Wille statt Promille“ umbenennen lassen; dies ist aber seit einem halben Jahr noch nicht umgesetzt. Er ist der Einladung nicht gefolgt, aber man sollte es wieder versuchen.

Zwei Beispiele aus der Liste von Fehlgriffen in den Wortschatz der Naturwissenschaften, die Herr Körner gesammelt hat, werden herausgestellt (der Rest Herrn Paulwitz zur Verwendung als Glossen in der „Sprachwelt“ übergeben.

Die diesjährigen „Mitteilungen des deutschen Germanistenverbandes“ enthalten sehr viel Zuversichtliches über die deutsche Sprache. Zu teilweise anderen Einschätzungen gelangt das zweite Heft der Schriftenreihe „Unsere Sprache“ der NFG: „An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen“.

Mittwoch, 25. November 2009, 17:30 Uhr, Turm

Besprechung

Herr Gregor Schießl, vormals Förster von Neunhof, nun in der Öffentlichkeitsarbeit der Forstbetriebe tätig, trifft sich mit Herrn Wiegel und Herrn Kügel, um die Aussichten abzuschätzen, die eine Durchführung des Wiegelschen Konzeptes hat. Daraus geht  hervor:

1. Der Naturschutz gemäß FFH-Plan ist ein Verwehren schädlicher Maßnahmen, kein gestalterischer Eingriff zur Waldverjüngung oder -verbesserung.

2. Dr. Pröbstle favorisiert nach wie vor die Lösung, den Feierplatz auszulagern.

3. Forstdirektor Blank ist zwar bereit, einen Antrag auf Mittel aus dem Gemeinwohl-Maßnahmen-Fonds des Ministeriums für Landwirtschaft und Forsten zu stellen, steht aber auf dem Standpunkt, daß keine Eingriffe an alten Bäumen vorgenommen werden  sollen.

Herr Wiegel hält die Ziele des Naturschutzes, des Denkmalschutzes und der Forstpflege für vereinbar. Herr Schießl schlägt vor, einen Runden Tisch aller Entscheidungsträger einzuberufen, bei dem dieses Argument vermittelt werden soll.

Sonntag, 29. November 2009, Caritas-Pirckheimer-Haus, Großer Speisesaal

Adventsfeier

Mit kurzer Begrüßung durch den Präses und dem ersten Satz aus dem Streichquartett a-Moll von Charles Gounodbeginnt die traditionelle Adventsfeier des Ordens. Es spielen Juliane Göldner-Kügel (1. Violine), Dr. Werner Kügel (2. Violine), Dr. Dieter Jäpel (Viola), Rudolf Grimm (Violoncello).

Die Ansprache des Bezirkstagspräsidenten von Mittelfranken, Herrn Richard Bartsch, beleuchtet das politische Wirken einer Entscheidungsebene, die sehr viel nützlicvhe einrichtungen schafft und unterhält, von den Bürgern aber zwischen Kommunen und der Landesregierung selten wahrgenommen wird. Es folgt die

Auszeichnung von herausragenden Leistungen im Fach Deutsch

von Schülern mittelfränkischer Realschulen. Laudationes halten Herr Schöler über Andreas Schamicke, Frau Lehmann über André Weiskopf und der Präses über Anja Winkler. Die Preisträger erhalten je eine vom Präses und Herrn Lobenhofer, dem MB für die Realschulen Mittelfrankens, unterzeichnete Urkunde und einen Umschlag mit 200 €. Sie werden von einem Pressevertreter photographiert. Mit dem 2. Satz leitet das Streichquartett über zu den Adventsgedanken, die diesmal wieder Herr Pfarrer Gloßner nahebringt. Dann treten noch ein letztes Mal die Musiker in Aktion, um mit dem 4. Satz den offiziellen Teil schwungvoll zu beenden.

Mittwoch, 9. Dezember 2009, Turm

Vortrag

Herr Körner hat Experimentiermaterial und eine Video-Präsentation mitgebracht, womit er in lebendiger und mitreißender Weise ein an sich sprödes Thema sinnenfällig nahebringt: die ph-Werte der Böden und deren Folgen für die Pflanzenwelt in Irrhain und Schrebergärten. Acht Personen und der Präses, der die Anlage zur Vorführung beigesteuert hat, lauschen und fragen mit wachsender Begeisterung.

Mittwoch, 16. Dezember 2009, Turm

Vortrag

Weniger Zuspruch findet eine Videovorführung über Schlesien und Krakau, die Herr Kügel selber gibt: insgesamt vier Personen sind anwesend, darunter aber Herr Prätor, der von Berlin kommend einen Nürnberg-Aufenthalt eigens auf diesen Termin abgestimmt hat, und Frau Zolles, die den für sie besonders mühseligen Aufstieg zur Turmstube nicht gescheut hat.