Marie Friederich

Industrielle Verbindungen des Ordens im 19. Jahrhundert

Eine Übersicht der Mitglieder aus Kaufmann- und Fabrikbesitzerkreisen

Eine für die Stadt Nürnberg wichtige Persönlichkeit, Johannes Scharrer, 1785 - 1844, schrieb am 6. November 1820 an den Orden: Wenn ich das Glück haben sollte, als Mitglied des Pegnesischen Blumenordens aufgenommen zu werden, so bitte ich ergebenst, mich hinsichtlich der Arbeiten in das schönwissenschaftliche Fach einzureihen.

Die Verneuerte[n] Gesetze des Pegnesischen Blumen-Ordens in Nürnberg, im Jahr 1820 schrieben nämlich vor: "XIII. Jedes künftige Mitglied des Blumen-Ordens hat sich vor seiner Aufnahme für eine oder die andere dieser Klassen zu erklären und an deren Arbeiten thätigen Antheil zu nehmen." Es handelte sich um "Klassen" nach dem Muster der Akademien der Wissenschaften und Künste, wie sie in den deutschen Herrschaftsgebieten allmählich zahlreicher wurden. Auch in Nürnberg hatte man sich lange mit dem Gedanken getragen, eine solche Akademie zu gründen, und gerade der Blumenorden wollte damals wieder einmal einen Anlauf dazu nehmen. Es heißt da:

XII. Erste Klasse. Wissenschaftliche Gegenstände überhaupt, jedoch mit Ausschluß der sogenannten Fakultäts-Wissenschaften (Philosophie, Juristerei, Medizin, Theologie). Zweite Klasse. Geschichtskunde, welche sowohl die allgemeine, als die Provinzial-Geschichte, nebst den damit verwandten Hülfs-Wissenschaften begreift. Dritte Klasse. Schöne Wissenschaften und Künste.

Scharrer ist in der Stammliste des Ordens unter der Nr. 362 eingetragen. Sein Wunsch, schönwissenschaftlich zu arbeiten, wäre kaum zu erwarten gewesen, wenn man seinen Bildungsgang betrachtet.

Der Kaufmann Johannes Scharrer gründete nach Lehr- und Gehilfenjahren zusammen mit seinem Schwager J. S. Amberger ein Geschäft für Gewürze und Landprodukte. Bald schon konzentrierte sich dieses Geschäft auf den Hopfenhandel und hatte wesentlichen Anteil daran, daß Nürnberg als Hopfenmarkt im 19. Jahrhundert eine zentrale Stellung eingenommen hat. Nach seiner Wahl zum ehrenamtlichen Magistratsrat war er von 1823 bis 1829 Zweiter Bürgermeister von Nürnberg. Während dieser Zeit ordnete er die Finanzverwaltung der Stadt neu. Er schuf ein städtisches Volksschulwesen — u.a. durch den Erwerb von Schulgebäuden — kümmerte sich um die Reform des Gymnasiums und ermöglichte den Mädchen eine bessere Ausbildung durch die Gründung einer Höheren Töchterschule.

In Christian Conrad Nopitschs "Wegweiser für Fremde in Nürnberg [...] Nürnberg, in Commission der Raspe'schen Buchhandlung. 1801" war bereits von einer ähnlichen Errungenschaft zu lesen, die auf Pegnesen zurückgeht, allerdings noch im Bereich des Fachschulwesens liegt: "Im Jahr 1793 wurde auf Ansuchen der Gesellschaft zur Beförderung der vaterländischen Industrie durch einen Verlaß des Herrn Oberalmosenpflegers ein Zimmer dieser Schule [d. i. der Lorenzer Armenschule] zum Gebrauch der neuerrichteten Industrieschule auf 24 Mädchen überlassen." Der Verein zur Förderung der vaterländischen Industrie war aber im Jahr zuvor von einer Gruppe fortschrittlich Denkender gegründet worden, die zum großen Teil aus dem Pegnesenorden stammten.

Indem Scharrer derartige Bestrebungen in erweiterter Weise fortführte, paßte er gerade recht gut zu den Ordensmitgliedern der damaligen Zeit. Unter verbesserten Bedingungen mußte eine solche Orientierung des Blumenordens und einiger seiner neueren Mitglieder einen bedeutenden Anteil an der Industrialisierung und der Wohlfahrtspflege der Stadt haben.

Die Höhere Bürgerschule gestaltete Scharrer in dem Sinne um, daß sie auf gehobene Stellungen in Wirtschaft, Gewerbe, Fabrikwesen und in den Künsten vorbereiten sollte. 1823: Gründung einer Polytechnischen Schule, die er nach seiner Bürgermeisterzeit als Direktor leitete und wo er Georg Simon Ohm begegnete. Diese Institution hat zur Nachfolge die weiter unten mehrmals erwähnte "Industrieschule" und mittelbar die heutige "Georg-Simon-Ohm-Fachhochschule". Zu der feierlichen Grundsteinlegung der chemischen und mechanischen Werkstätten jener ersten "polytechnischen Anstalt" wurde der Pegnesische Blumenorden mit Schreiben des Magistrates vom 7. Oktober 1835 förmlich eingeladen. (Pegnesenarchiv, Bündel CVIII f.) Das war kein Zufall, nicht bloße Höflichkeit unter Honoratioren verschiedenster Interessengebiete. Man kann nicht sagen, daß Scharrers Beziehungen zum Orden lediglich aus dem Bedürfnis herrührten, in seiner Freizeit auch ein wenig Schöngeistiges zu betreiben.

Johannes Scharrer war Mitbegründer der Ludwigseisenbahn, der ersten Eisenbahn mit Dampfkraft zwischen Nürnberg und Fürth, die 1835 erstmals verkehrte. Zuerst zweiter Direktor der Ludwigs-Eisenbahn-Gesellschaft, übernahm er nach dem Rücktritt von G. Z. Platner das Direktorat und den weiteren Ausbau des Unternehmens, dem er bis zu seinem Tod 1844 vorstand. Im selben Jahr feierte der Pegnesische Blumenorden sein 200jähriges Jubiläum, mit dem in gewisser Hinsicht die Biedermeierzeit im Orden zu Ende ging.

Für eine weitere Epoche kann Lothar von Faber, 1817 - 1896, als repräsentativ gelten. Der Bleistiftfabrikant trat am 22. Dezember 1866 unter der Stammlisten-Nummer 560 in den Pegnesischen Blumenorden ein.

Lothar von Faber war einer der berühmtesten und reich geehrten Unternehmer während der Industrialisierung Bayerns im 19. Jahrhundert. Er wurde als Sohn des Georg Leonhardt und Enkel des Anton Wilhelm Faber — der dem Unternehmen den Namen gegeben hatte — in Stein bei Nürnberg geboren. Als Neunzehnjähriger kam er für drei Jahre auf Veranlassung seines Vaters nach Paris und danach für ein halbes Jahr zur weiteren Fortbildung nach London.

1839 starb der Vater, und Lothar übernahm 1840 die Manufaktur mit damals 20 Beschäftigten; als guter Kaufmann mit großem technischen Verständnis mechanisierte er das Unternehmen und nutzte die in Frankreich und England gemachten Erfahrungen. Auf Reisen erschloß er neue Märkte in Deutschland, Rußland, Österreich, Belgien, Holland, Frankreich, Italien, der Schweiz und sogar in England, dem Land seiner Hauptkonkurrenz. 1849 Niederlassung in New York, 1850 hat das Unternehmen bereits 200 Beschäftigte. 1866/67 gehört A.W. Faber zu den größten Fabrikationsunternehmen in Europa und produziert mit 500 Beschäftigten 1,32 Mill. Dutzend Bleistifte. An sozialen Leistungen seien noch erwähnt: die Errichtung einer Betriebskrankenkasse 1844 und ein Fond für Arbeiter mit 25 Jahren Dienstzeit; Schulen in Stein, Sparkasse und Konsumverein; Stiftungen für Erziehungs- und Bildungszwecke folgen. 20 Arbeiterwohnhäuser baut er auf eigene Kosten, andere bezuschußt er. In 50 Häusern entstehen Wohnungen für 208 Arbeiterfamilien. An der Gründung des Bayerischen Gewerbemuseums in Nürnberg, der Vereinsbank Nürnberg und der Nürnberger Lebensversicherungsgesellschaft war er beteiligt. 1861 war ihm das Ehrenbürgerrecht in Nürnberg, 1863 der Zivildienstorden der Bayerischen Krone mit persönlichem Adel, 1864 die lebenslange Mitgliedschaft im Reichsrat, 1899 die erbliche Würde eines Reichsrats verliehen worden. 1881 hatte ihn der König von Bayern in den Freiherrenstand erhoben. Lothar von Faber stellt den Typ des neueren Nürnberger Industriellen dar, der weiter in die Welt hinauswirkte, da auch die Stadt mittlerweile eine bedeutendere wirtschaftliche Position einnahm.

Gustav Schwanhäußer, 1840 - 1908, ließ sich am 1. 7. 1874 als Nr. 652 in den Orden aufnehmen. Mit 25 Jahren übernahm der junge Fabrikant die von Georg Großberger und Hermann Kurz gegründete und nach beiden benannte Firma, in der bereits seit 1854 mit der fabrikmäßigen Herstellung von Bleistiften begonnen worden war. Durch große Tatkraft, kaufmännisches Geschick und technisches Verständnis entwickelte er aus den vorgegebenen Möglichkeiten eine Weltfirma. Im Anklang an seinen Namen wählte er den Schwan als Gütezeichen und Schutzmarke seines Hauses, das von da ab als "Schwan-Bleistift-Fabrik, Schwanhäußer, vormals Großberger & Kurz" firmierte, heute "Schwan-STABILO, Schwanhäußer GmbH & Co" in Nürnberg. Schwanstifte erhielten goldene Medaillen und Preise. G. Schwanhäußer gründete Auslandsvertretungen in London und Wien und besuchte auch selbst Absatzmärkte, die USA eingeschlossen. Neben dieser Berufsarbeit war er als Handelsrichter, Markt-Adjunkt und Gemeindebevollmächtigter tätig. Er gründete die Kinderschule in der Maxfeldvorstadt und den Kindergarten in Neu-Großreuth. Der Titel eines kgl. bayer. Kommerzienrats und die Verleihung des Verdienstkreuzes vom Hl. Michael waren für ihn ehrenvolle Anerkennungen durch das Königshaus.

Der Buchdruckereibesitzer Wilhelm Tümmel kam vom Literarischen Verein Nürnberg, der von 1841 - 1874 bestand, und trat am 1.7.1874 als Nr. 660 in den Blumenorden ein. Er druckte u.a. Einladungen für den Orden und schon vor seiner Mitgliedschaft eine Denkschrift auf das entschlafene Mitglied des Pegnesischen Blumenordens Herrn Georg Paul Dietelmair, II. Pfarrer an der Kirche zum heil. Geist und I. Ordensrath, geschrieben im Namen und Auftrag des Ordens von Ernst Karl Julius Lützelberger, Stadtbibliothekar. Nürnberg Wilh. Tümmel’s Buchdruckerei. 1864. Weitere Drucke für den Orden umfassen: Die Zeitalter Nürnbergs, Festdialog von J. Priem. gesprochen bei Gelegenheit des Königsfestes Juli 1855, Preis 6 Kreuzer, Nürnberg, Druck der W. Tümmel’schen Offizin 12855. und Erinnerungsblatt an das Irrhainfest am 5. Juli 1876, Nürnberg, Wilh. Tümmels Buchdruckerei, 1876.

Am 26. 8. 1881 (Nr. 722) trat Karl Grasser, 1830 - 1885, in den Orden ein. Der Kaufmann und spätere Fabrikant war seit 1872 Magistratsrat und ab 1878 Nachfolger von G. A. Froscheis in der Firma Lyra-Bleistift-Fabrik.

Hermann Lambrecht, 1848 - 1930, als Mitinhaber der Nürnberger Farbenfabrik Pabst & Lambrecht tätig, war auch lange Zeit spanischer Konsul in der Stadt. Die Stammliste gibt sein Eintrittsdatum unter der Nr. 760 mit 27. 4. 1888 an. Über 31 Jahre lang, seit 1894, war er Schatzmeister und auch Ehrenmitglied im Orden. Dieses verantwortungsvolle Amt übernahm er von August Müller, der in der Nachfolge des zurückgetretenen Dr. Rée erster Schriftführer geworden war. Lambrechts Frau Clara, geb. Pabst, aus Dresden trat mit dem Vortragen von Gedichten Franz Grillparzers im Orden auf. Ihr Ehemann hielt bei der öffentlichen Versammlung am Montag, den 18. November 1895, einen Reisevortrag: Im Land der Mitternachtssonne. Als Nachklang zum Jubelfest von 1894 findet sich von ihm im Archiv ein 22-Strophen-Gedicht mit dem Schlußvers:

"Die Moral von der Geschicht —

Gelder sind vorhanden nicht;

Doch die Rechnungen sich mehren,

Die noch zu bezahlen wären,

Drum kommt Schatzmeister mit der Bitt,

Gebt ‘nen Beitrag dem Birkmann mit.

Birkmann sammelt in der Stadt.

Auswärts Postauftrag man hat."

Das Ordensleben ging also auch lebendig weiter, als die Tätigkeiten vieler Mitglieder ihren Schwerpunkt eindeutig im mächtigen Einflußgebiet der Industrie hatten. Der Zinnkompositions-Figurenfabrikant — nach Auskunft des Adreßbuches von 1881 — Wilhelm Heinrichsen, 1834 - 1908, beteiligte sich am Orden seit dem 19. 7. 1889 (Nr. 772). Die Familie war aus Dänemerk über Schlesien nach Nürnberg gekommen. Ab 1869 leitete Wilhelm H. die "Zinn-Kompositions-Figurenfabrik Ernst Heinrichsen in Nürnberg". Von 1869 - 1872 war er Gemeindebevollmächtigter, außerdem Mitglied der Industrie- und Handelskammer und Vorsitzender des Gewerbevereins. Im Oktober 1882 wurde er kgl. bayerischer Kommerzienrat. Im selben Jahr wurde die Firma bei der ersten Bayerischen Landesausstellung mit einer goldenen Medaille ausgezeichnet. Als begeisterter Turner gehörte er 1861 zu den Neugründern des nach der Revolution von 1848 verbotenen Vereins. Es heißt im offiziellen Nachruf der Stadt "[...] seinem organisatorischen Talent und seiner Opferwilligkeit ist es mit zu danken, daß der Turnverein eine eigene Turnhalle [...] besitzt" (Turnstraße). Wilhelm Heinrichsen war auch literarisch tätig, Dieser Neigung widmete er sich ganz nach seinem Rückzug aus dem Geschäftsleben 1902. Eine der genannten Institutionen, die Industrie- und Handelskammer, beging 1993 ihr 150jähriges Bestehen.

Sigmund Schuckert, 1846 - 1895, war ebenfalls Mitglied des Ordens ab dem 23. 5. 1890 (Nr. 808). Er war ein Unternehmer, der aus kleinsten Anfängen ein Werk der Elektroindustrie schuf, ein charakteristischer Pionier des im 19. Jahrhundert beginnenden Industriezeitalters. Kurz vor seinem Tod hat er bereits mehr als 3000 Arbeiter und etwa 600 Angestellte beschäftigt. Nach einer Mechanikerlehre und intensivem Selbststudium machte er sich als Geselle auf die Wanderschaft, immer darauf bedacht, die besten Fachleute und renommierte Betriebe kennenzulernen. Während eines mehrjährigen Aufenthalts in den USA besuchte er Baltimore, Philadelphia und arbeitete auch in Cincinnati in der Firma von Thomas A. Edison. 1873 nach Nürnberg zurückgekehrt, eröffnete er in der Schwabenmühle eine kleine Werkstatt — die Grundlage seines Unternehmens waren 1000 in Amerika ersparte Dollar. Nach der Konstruktion des Dynamos war er 1875 mit seinen Maschinen schon auf dem Markt und erhielt im Jahr darauf vom bayerischen König eine Subvention von 50 000 Mark "in Anerkennung der wesentlichen Verbesserungen einzelner Teile der dynamoelektrischen Maschine". Nach Erweiterung der Fabrikationsstätte wurden vor allem Bogenlampen gebaut, die in vielen Städten in den 70er Jahren, so auch in Nürnberg, für Straßenbeleuchtung sorgten.

Die 1879 von Edison erfundene Glühbirne setzte sich immer mehr durch, und Schuckert übernahm sie in sein Fabrikationsprogramm. Nach dem Bau einer großen Fabrikanlage in der Schloßäckerstraße, der Fertigung von Elektrozählern, Scheinwerfern und der Konstruktion des Glasparabolspiegels usf., wurde die Fabrik durch die Bebauung weiterer Grundstücke an der Landgrabenstraße nochmals vergrößert.

Gleichzeitig setzten Sigmund Schuckerts Sozialmaßnahmen für Arbeiter und Angestellte des Werkes ein, die weit über das gesetzliche Muß hinausgingen. Während der stärksten sozialen Spannungen im Industrie-Milieu nannten die Firmenmitglieder ihren Dienstherrn vertrauensvoll "Vater Schuckert". Sein größtes soziales Denkmal setzte er sich in der Stiftung "Wohnungsbaugemeinschaft Sigmund Schuckert", deren gediegene Wohnlichkeit damals Modellcharakter für das Genossenschaftswesen im Arbeiterwohnungsbau für das Deutsche Kaiserreich erlangte. Sein 1893 in eine Aktiengesellschaft umgewandeltes Werk wurde später als "Siemens-Schuckert-Werke" mit Siemens fusioniert.

Otto Krell, 1838 - 1913, war seit dem 27.11.1891 (Nr. 837) Mitglied des Ordens. Der Ingenieur ging nach seiner Ausbildung in Nürnberg nach St. Petersburg und wurde dort Direktor der Petersburger Metallwarenfabrik. 1885 kam er in die Stadt zurück und war von 1893 - 1911 Mitglied des Gemeindekollegiums.

August Hering, 1851 - 1932, trat am 25. 11. 1892 (Nr. 850) in den Blumenorden ein. Er kam aus Hof/Saale und gründete 1884 ein Ingenieurbüro in Nürnberg, Herrnhütte. 1896 Beginn der eigenen Fabrikation — Errichtung von Dampfanlagen. Er stiftete den eisernen Brunnenmohren im Irrhain.

Die Fabrikanten August Hering und Philipp Frays machten sich um die Anordnung der Festtafeln zum Irrhainfest im Jubeljahr 1894 im Saal des Goldenen Adlers verdient.

Dr. Wilhelm Tafel, Hütteningenieur, 1867 - 1931, ist seit dem 3. 3. 1893 unter der Nr. 853 in der Stammliste aufgeführt. Er kam im 8. Lebensjahr nach Nürnberg, wo sein Vater ein Feineisenwerk gründete. Er studierte an den Technischen Hochschulen München und Berlin. Julius Tafel zog sich 1891 aus dem Werk zurück und die Söhne Hermann und Wilhelm folgten ihm in der Geschäftsführung nach. Sie wandelten das Werk 1900 in eine Aktien-Gesellschaft um: "Eisenwerk Nürnberg AG., vormals J. Tafel & Co." Dr. Wilhelm Tafel erhielt 1913 eine Berufung an die Technische Hochschule Breslau als ordentlicher Professor für Hüttenmaschinen- und Walzwerkkunde.

Richard Kuhlo, 1850 - 1923, war seit dem 29. 6. 1894 (Nr. 885) Mitglied. 1872 kam er mit der Firma Kügemann nach Nürnberg, 1875 trat er als kaufmännischer Leiter in das Geschäft seiner Schwiegereltern ein. Bei der Umwandlung der Firma in eine Aktiengesellschaft wurde er Direktor, später Generaldirektor der noch heute bestehenden Armaturen- und Maschinenfabrik AG, vormals J. A. Hilpert Nürnberg-Pegnitzhütte. Der Titel Kommerzienrat wurde ihm 1905 verliehen.

Kaspar Rudel, 1845 - 1921, ab 2. 2. 1894 (Nr. 866) im Orden, war an der lndustrieschule Professor für Mathematik und Konrektor von 1889 - 1907. Er stand der städtischen Wetterwarte seit 1896 vor.

Dr. Siegmund Günther, Ordensmitglied seit 7.9. 1894 (Nr. 904), wohnhaft in Ansbach, wurde als Reichstagskandidat für Nürnberg aufgestellt und war von 1878-84 Mitglied des Reichstags. Er war Mathematiker und Geograph und ab 1886 Professor an der Technischen Hochschule in München.

Man muß nicht glauben, daß mit diesen repräsentativen Namen, die man vielfach heute noch kennt, die Zahl der Verflechtungen schon erschöpfend dargestellt ist, die den Blumenorden mit der Industrialisierung der Stadt verbinden.

Man wundert sich angesichts einer solchen Aufstellung nicht mehr, wieso es dem Orden gegen Ende des 19. Jahrhundert gelingen konnte, noch einmal eine in ganz Deutschland geachtete Rolle zu spielen. Die Mitgliederpolitik der damaligen Ordensleitung und die Aufgeschlossenheit finanziell starker Kreise für den Blumenorden machten manche Vorhaben leichter zu verwirklichen, als es heute der Fall sein kann.

Quellennachweis:

GNM ABK P.Bl.O., LIII d). LIV b), LVII, Stammliste des Ordens, Festschrift von 1944

 

Stadt AN GSI 49: Berühmte Nürnberger aus neun Jahrhunderten, Herausgeber Christoph von Imhoff