Grußwort des Ordenspräses




Dr. Friedrich von Herford


Die Feststellung, daß etwas lange dauert, ist an sich wertneutral. Wenn Krankheiten -- zum Beispiel Pest -- oder Notzeiten -- zum Beispiel Krieg -- lange andauern, so ist dies unerfreulich, und es besteht nur am Ende für diejenigen ein Anlaß zum Feiern, die alles gut überstanden haben. Man kann an den Schäfflertanz am Rathaus von München oder die Freudenfeste nach Beendigung des 30jährigen Krieges denken, die den Begründern unseres Ordens zum Anlaß dienten, in Gedichten die nun angebrochene Friedenszeit zu preisen.
Anders verhält es sich, wenn Einrichtungen, die dem Gemeinwohl dienen, sei es auf dem Gebiet der Wissenschaft, der Kultur oder der Kunst, und deshalb allgemeine Anerkennung und Ansehen erworben haben, wie zum Beispiel das Rote Kreuz, die Universitäten und Museen, auf eine lange Zeit erfolgreichen Wirkens zurückblicken können.
Ihnen ist Anerkennung und oft Ehrerbietung gewiß.

Der Pegnesische Blumenorden, der sich die Pflege der deutschen Sprache und Dichtkunst zur Aufgabe gemacht hat, darf sich zu den Einrichtungen zählen, die uns Deutschen, als dem Volk der Dichter und Denker, nur Erfreuliches zu bieten haben.
So sind auch die bisherigen Feste zur Erinnerung an die Gründung unseres Ordens stets besondere Jubelfeste gewesen, die weit über den engen Rahmen des Ordens hinaus Beachtung fanden. Dies gab auch Veranlassung zur Herausgabe von Festschriften anläßlich dieser Jubiläen.

Demgemäß ist im Vorwort zur Festschrift zur 250jährigen Jubelfeier des Pegnesischen Blumenordens" zu lesen:
Der Pegnesische Blumenorden hat bei seinem 100jährigen Jubiläum die Historische Nachricht von des löblichen Hirten- und Blumenordens an der Pegnitz Anfang und Fortgang bis auf das durch Göttliche Güte erreichte hundertste Jahr, mit Kupfern geziert und verfasset von dem Mitglied dieser Gesellschaft Amarantes" erscheinen lassen, welches treffliche Buch des damaligen Ordensschriftführers Pfarrer Joh. Herdegen nicht allein die Geschichte des Ordens, sondern auch eine biographische Skizze jedes Mitgliedes enthält. Bei seinem 200jährigen Jubiläum sandte der Orden seiner poetischen Festgabe eine kurze, aber sehr lesenswerte Geschichte des Blumenordens, von Dr W. C. Mönnich verfaßt, voraus. Es war uns deshalb nahe gelegt, bei dem Feste unseres vierteltausendjährigen Bestehens wiederum eine historische Nachricht über den Orden zu geben. Da aber eine umfassende Geschichte des Blumen-Ordens selbst als eine sehr viel Zeit und Mühe erfordernde Arbeit erschien, so zogen wir vor, mit Einzelarbeiten über die Geschichte des Ordens und seiner hervorragenden Mitglieder zu beginnen, und wählten hierfür selbstverständlich zuerst die Stifter und Erhalter des Ordens Georg Philipp Harsdörfer und Sigmund von Birken.

Die erwähnte Festschrift zur Hundertjahrfeier von Amarantes, später kurz als Pegnesenbibel" bezeichnet, beginnt mit einem Gedicht von Melander (Christian Gottlieb Schwarz):

Edle Noris! freue dich,
Dein geliebter Blumenorden
Steht bey seinen Schäfer=Horden,
Gott Lob! unveränderlich;
Ob gleich hundert Jahr verflossen
Seit dem diese Schaar entsprossen.

Deren Zweck geht jederzeit
Auf des großen Gottes Ehre,
Und daß durch die Tugend=Lehre
Alte Treu und Redlichkeit,
Auch der Teutschen Sprache Wesen
Möge wachsen und genesen.

Da 1944, also gegen Ende des zweiten Weltkrieges, zum 300jährigen Bestehen des Ordens eine Feier und auch die Herausgabe einer Festschrift nicht möglich waren, konnte auch eine Vervollständigung und Herausgabe der Geschichte des Ordens" von Wilhelm Schmidt nicht erfolgen. Das Manuskript harrt noch der Bearbeitung.
Zum dreihundertfünfzigsten Gründungsjubiläum tritt nun der Orden mit einer Festschrift an die Öffentlichkeit, die einen Einblick bietet, mit welchen Fragen und Themen sich heute die Ordensmitglieder und Freunde befassen.
Diese Festschrift, ergänzt durch die Veröffentlichung: Der Irrhain des Pegnesischen Blumenordens zu Nürnberg" von Hermann Rusam, 1983, gibt allen, die sich mit unserer ältesten literarischen Gesellschaft" befassen, eine Einführung.

Gedankt sei an erster Stelle dem Herrn Bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Stoiber für sein Interesse und die Gewährung eines Staatsempfanges, dem Herrn Staatsminister des Bayerischen Ministeriums für Unterricht, Kultus, Wissenschaft und Kunst Hans Zehetmair für sein Grußwort und freundliche Unterstützung, Herrn Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg Dr. Peter Schönlein für sein Grußwort und sein Entgegenkommen.
Ferner gilt unser Dank: vom Germanischen Nationalmuseum Herrn Dr. Löcher und besonders der Verwalterin unseres Archivs Dr. Frfr. v. Andrian-Werburg.

Vom Orden ist zu danken dem Vizepräses Dr. theol. Siegfried Frhr. v. Scheurl und natürlich dem Leiter des Festschriftausschusses und Herausgeber Herrn Prof. Dr. Werner Kügel, der mit großer Fachkenntnis und mit viel Mühe und Fleiß zusammen mit den Verfassern der Beiträge das Zustandekommen dieser Festschrift erst ermöglichte.

Dem Orden ist zu wünschen, daß er nach seinem dreifachen Wahlspruch weiterleben möge:

Alles zur Ehre des Himmels"
-- wir Pegnesen sind ein abendländischer, christlicher, humanitärer Orden und werden alles tun, daß dies auch in Zukunft so bleibt;
Mit Nutzen erfreulich"
-- wir Pegnesen wollen allen zur Freude verhelfen und durch Kunst, insbesondere der Dichtung, das Leben erträglicher gestalten, aber uns auch überall nützlich machen;
Zu einem Ton einstimmend"
-- wir Pegnesen wollen bei aller Vielfalt der in unserem Orden vereinten Persönlichkeiten doch einen Grundkonsens", einen Generalton" haben, bei aller Vielstimmigkeit also eine Harmonie, wie sie schon unsere Klassiker anstrebten.

Verständlich wird es deshalb auch werden, daß sich unser Orden immer aus literarischen Zeitströmungen und modernen Anschauungen herausgehalten hat und deshalb auch nur einer einzigen literarischen Gesellschaft, dem Freien Deutschen Hochstift der Goethe-Gesellschaft in Frankfurt, als kooperatives Mitglied beigetreten ist.

Wir Pegnesen wollen daher auch nicht mit Dichterkränzchen" oder Lesezirkeln" verwechselt werden, sondern streben danach, eine Ordensgemeinschaft zu sein, die dem Ideal eines Ordens, wie es wohl am besten, von Franz Grillparzer dargestellt, in dem Drama Ein Bruderzwist im Hause Habsburg" durch die Worte Kaiser Rudolfs zum Ausdruck kommt:

Ich hab' erdacht im Sinn mir einen Orden,
Den nicht Geburt und nicht das Schwert verleiht,
Und Friedensritter soll die Schar mir heißen.
Die wähl ich aus den Besten aller Länder,
Aus Männern, die nicht dienstbar ihrem Selbst,
Nein, ihrer Brüder Not und bitterm Leiden;
Auf daß sie, weithin durch die Welt zerstreut,
Entgegentreten fernher jedem Zwist,
Den Ländergier und, was sie nennen: Ehre
Durch alle Staaten sät der Christenheit,
Ein heimliches Gericht des offnen Rechts.


Nürnberg, den 14. Januar 1994

Dr. Friedrich von Herford
Ordenspräses